Sonntag, 14. Juni 2009

GSCHICHTEN und FOTOS aus 13 monaten indien:

Sonntag, 15. Februar 2009

wieder auf REISEN...

bin ja schon wieder recht lange im lande, darum treibt es mich schon wieder nach Asien...
diesmal begebe ich mich auf die spuren der so ziemlich der letzen seenomaden - nach Burma;
es sind zwar "nur" 14 tage aber ich denke mir die zeit werde ich voll ausnützen um so viele wie mögliche eindrücke zu sammeln.
also dann - bis bald back in vienna :-)

Freitag, 6. Februar 2009

HEIM KOMMEN


Jetzt bin ich seit fast eineinhalb Monaten wieder zu Hause, obwohl ich es am Anfang nicht so empfunden habe.
Es war sehr komisch zurück zu kommen, denn man kommt zurück und alle sind so wie immer, alles ist so wie immer, man trifft die Leute geht da und dort hin, alles alt, aber nur nach außen hin, denn augenscheinlich ist alles gleich, aber es fehlt ein Jahr dazwischen, ein ganzes Jahr.
Hier in Österreich haben die meisten das gleiche Jahr wie immer, zwar schon mit ein paar Ereignissen, leider nicht immer so schöne, die sicher auch manche Einstellungen verändert haben, erlebt, aber grundsätzlich war alles wie gehabt, wie die ganzen Jahre davor. Aber ich war ein Jahr ganz wo anders, in einer anderen Kultur, wo nichts gleich war wie hier und dann ist man von einer Sekunde auf die andere, oder besser gesagt nach 12 Flugstunden, wieder zurück und kommt sich wie ein Fremder in der eigenen Heimat vor.

Es ist schwer das zu erklären, denn eigentlich ist alles alt, bekannt, man weiß wo man hin gehen muss, um was einzukaufen, um dies oder jenes zu erledigen, aber wie man geht ist neu.
Der Weg erscheint einem neu, als ob alles neue bzw. andere Farben bekommen hätte.

Ich hab mich in Indien wie zu Hause gefühlt, habe meine Freunde, meine Arbeit gehabt, somit war mein Arbeitstag auch geregelt, habe mich zu hundert Prozent umstellen müssen, um in diesem anderen Land zurecht zu kommen. Dafür war es aber auch wichtig, dass ich viele Gewohnheiten von Österreich abgelegt habe und mir neue zugelegt habe, ich sag nur Kopf wackeln und mit Finger essen, aber jetzt muss ich mich wieder zurück umstellen, denn ansonsten erschwere ich mir hier das Alltagsleben und viele würden mich nicht verstehen.

Ich habe viele neue Sichtweisen für Dinge bekommen, die Wichtigkeit mancher Dinge hat sich sicher auch verändert, aber ich bin auch wieder froh, hier in zu sein, wo ich wieder alles machen kann, ohne nachdenken zu müssen, ob es eh ok ist, ich mir nicht mehr wie ständig auf einer großen Müllhalde oder einer Toiletteanlage vorkomme.

Ich glaube manche Wege werden ihre neue Farbe behalten, was auch gut so ist und nicht anders möglich wäre, denn sonst hätte ich in dem Jahr Indien was falsch gemacht.

Hallo neue Heimat!

Mittwoch, 10. Dezember 2008


Ich kann nur sagen, oarg ein Jahr Indien ist um!!!
Dieses Jahr war so spannend und ich habe soviel erlebt, dass es mir überhaupt nie so lange vorgekommen ist.

Ich kann nur nach einem Jahr sagen, dass ich hier her gekommen bin und so die Möglichkeit bekommen habe, Indien als eine Insiderin kennen und lieben zu lernen, war sicher eine meiner besten Entscheidungen!

Bei meiner Abschiedsfeier von meinen Kollegen, wurde ich gefragt, was für mich das imposanteste in Bezug auf meine persönlichen Erfahrungen in Indien war, schwierige Frage, aber eigentlich gibt es nur eine Antwort: die Herzlichkeit wie man als Fremder aufgenommen wird, denn bei all meinen Familienbesuchen bei meinen Freunden, war ich von der ersten Minute an ein Mitglied in der Familie und habe mich nie als Fremde gefühlt und sind wir uns ehrlich, wie lang dauert es bei uns, bis man so aufgenommen wird… auch hier in VIT, die Kollegen haben mich sofort als eine Ihresgleichen aufgenommen und da war keine Phase, na schau ma sie uns mal an und dann entscheid ma, ob ma sie wollen oder net.

Ich weiß ja auch jetzt schon, dass ich nächstes Jahr, soweit sich das mit meinen Job vereinbaren lässt, wieder nach Indien reisen werde, denn zwei meiner besten Freundinnen, Roopa und Devla werden heiraten, damit ist der Abschied auch nicht ganz so schwer!
Abgesehen davon, kann ich auch mit Sicherheit sagen, dass mich mein “crazy India“ sicher noch öfters sehen wird, denn da sind erstens noch viele Plätzchen offen, von denen ich euch noch in keiner Alltagsgeschichte erzählt habe, weil ein Jahr für dieses Land einfach viel zu kurz ist und zweitens wegen meiner Freunde.

Ich möchte mich aber auch einmal bei euch allen bedanken, für euren lieben Mails, die mir immer wieder gezeigt haben, dass ich zwar räumlich sehr weit weg bin, aber ihr mich alle nicht vergessen habts, war immer schön aus der Heimat zu lesen, auch wenn ich nicht immer alle Mails beantwortet habe, ich habe mich über jedes Einzelne gefreut!!! Aber jetzt freu ich mich noch mehr auf unser Wiedersehen und unsere persönlichen Treffen, ist doch gmiatlicher, als per Mail :-)
Namaste

Freitag, 28. November 2008

Geschichten aus dem Alltag: Kanyakumari und Sivanada Ashram


Die letzte Woche habe ich noch einmal, letztmalig, ausgenutzt, um neue Plätzchen hier in Indien zu erforschen.
Als erstes bin ich einmal nach Kanyakumari dem südlichsten Punkt Indiens gefahren. Ich kann nur sagen dieses Plätzchen hat was besonders, man kann es spüren, kommt wahrscheinlich daher, dass hier drei Meere zusammen stoßen. Ich war dort so ziemlich die einzige westliche Touristin, es waren fast nur Inder zusehen, was das ganze, für mich, noch einmal intensiver wirken hat lassen. Dieser Ort ist auch schon von einigen indischen Schriftstellern als was besonderes beschrieben worden und auch Einige haben den Platz als ihren Kraftplatz gefunden, unter anderem der indische Schriftsteller, dem gegenüber von der Bucht ein großes Denkmal gesetzt wurde, wie auch dem Philosophen . Ich habe es einfach genossen an der Kaimauer zu sitzen und den Indern beim baden zu zusehen. Es ist immer wieder ein Erlebnis. Denn für die Inder ist der Meerbesuch so ganz was anderes als für uns. Sie gehen, wie schon öfters beschrieben, mit ihrem Gewand hinein und die meisten haben eigentlich total Angst vorm Wasser und können auch nicht schwimmen, darum versuchen sie immer, bei einer auch nur bisschen größeren Welle, sofort an den Strand zurück zu laufen. Es kommen aber auch gleichzeitig viele Pilger an diesen Ort, die ihr rituelles Bad einnehmen. Unter anderem habe ich auch eine Gruppe von Nonnen mit ihren Schützlingen, die nach ihrem Verhalten nach, dass erste Mal das Meer gesehen haben und somit am Anfang gar nicht gewusst haben, was sie machen sollen, aber dann mit der Zeit so viel Spaß mit Wellen hüpfen gehabt haben, beobachten können. Die Inderinnen, auch wenn sie mit ihrem ganzen Salwa ins Wasser gehen, haben soviel Spaß, dass sie wieder zu Kinder werden. Nach dem Badespaß geht man aber dann gleich wieder und bleibt nicht noch ein bisschen am Strand sitzen, dass kennen sie nicht. Der Ort ist auch deshalb so einzigartig, weil man am gleichen Fleck Sonnenaufgang und Untergang sehen kann, natürlich nur unter der Voraussetzung, dass keine Wolken am Himmel sind, so wie bei mir. Der Sonnenaufgang sollte um 6:00 in der Früh sein, ich konnte ihn aber leider nicht beobachten, dafür habe ich aber die hunderten Inder bei ihrer Suche nach der Liesl (=Sonne)(Jakob, das war noch besser als in Darjeeling)und die Pilger beim ihrem morgendlichen Bad, beobachten dürfen.
Danach bin ich nach Trivandrum, ist die Hauptstadt von Kerala, in den Yoga Ashram Sivananda gefahren. Diesen Ashram besucht man hauptsächlich um Yoga zu machen und nicht aus philosophischen Gründen. Yoga bedeutet ja Disziplin und dementsprechend ist auch der Ashram organisiert, man muss um 5:30 aufstehen und um 22:00 heißt es Licht aus, sie überprüfen dreimal am Tag die Anwesenheit, es gibt nur zweimal am Tag Essen, man darf kein Mobile verwenden und es finden insgesamt zwei Yoga Klassen von jeweils 1 ½ Stunden statt. Also alles in allem, war das Yoga für mich super, aber der Rest war nicht meins. Es waren viel zu viele Leute dort, ca. 300 und alles nur Westler (!), sogar der Direktor ist ein Weißer und irgendwie habe ich bei niemanden gespürt, dass er die Arbeit dort gerne macht. Bei den Yoga Lehrern habe ich auch das Gefühl gehabt, dass sie alles so mechanisch machen, nicht so wie ich es bei meiner lieben Ex-Yogalehrerin Ursula kennen gelernt habe, die Yoga aus ihrer Überzeugung heraus unterrichtet hat, mit Liebe, das hat komplett gefehlt. Ich bin wirklich froh, dass das nicht meine erste Yoga Erfahrung war.
Am Freitag bin ich dann abgereist, noch einmal nach Varkala, am Strand, ans Meer zum baden gefahren. Nach der sehr faden Ayurveda Küche aus dem Ashram, haben nur Salz, keinen Knoblauch und Zwiebel, ist angeblich ungesund(?)verwendet, habe ich wieder das gute “spicy“ Essen und vor allem auch Fisch genossen.
Na und am Sonntag hat es dann leider Abreisen geheißen und ich bin mit dem Nachtzug, das letzte Mal heuer, zurück nach Vellore gefahren.

Jetzt hat die letzte Woche meines Indien Abenteuers angefangen, ich bin gerade dabei, die Abschiedspartys am Freitag und Samstag zu organisieren, ihr könnts sehen, ich bin schon eine halberte Inderin, weil ich das erst drei Tage vorher mache und nicht so wie in Österreich, zwei Monate vorher!!! Party ist vielleicht auch ein bisschen übertrieben, ich gehe einmal mit meinen Studenten-Freunden Essen und dann in eine Bar und am anderen Abend mit meinen Kollegen Freunden.

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Geschichten aus dem Alltag: Villegeleben


Dieses Wochenende war wieder einmal ganz was anderes, ich habe wieder ganz ein neues Indien kennen gelernt – wahrscheinlich das “simpelste“ bis jetzt.
Ich bin dieses Wochenende mit Roopa zu ihrer Familie gefahren, sie kommt aus Karnataka, in der Nähe von Hubli, ist so ca. auf der Höhe von Goa, aber nur im landesinneren.
Die ersten beiden Tage haben wir bei ihrem Onkel in Sirsi verbracht, haben uns die JOKH Wasserfälle angeschaut, waren beeindruckend, sind doch ziemlich groß und ich finde Wasserfälle einfach faszinierend, die Kraft die dahinter steckt. Am zweiten Tag waren in einer Tibetischen Kolonie. Das war mein Wunsch dort hin zu fahren, ist wirklich eine rein tibetische Ansiedelung, mit zwei Klöster, von Volksschule bis Uni alles vorhanden und sie haben auch ein eigenes Spital. Zu Mittag habe ich dann den Wunsch geäußert gute Momos essen zu wollen, na ja da haben dann der Onkel und die Tante von Roopa die typische indische Reaktion gezeigt, dass kennen sie nicht und somit essen sie es nicht, obwohl ich ihnen versichert habe, dass da kein Fleisch drinnen ist usw., aber zumindest hat der Onkel sie probiert… Roopa war begeistert und hat sie gern gegessen. Das Essen ist für die Inder wirklich ein großes Problem, das ist auch ein Hauptgrund, warum sie nicht gern herum reisen, weil sie dann “ihr“ essen nicht bekommen, auch nicht von Südindien in den Norden, nicht lachen, das ist ernst, so sind sie meine Inder.
Dann sind wir weiter zu Roopa nach Hause, sie kommt aus einem kleinen Bergdörflein, mit ca. 800 Einwohner, gefahren. Es war unglaublich, nach nur drei Stunden Busfahrt haben wir uns auf einmal in einer ganz anderen Welt befunden. Ihr zu Hause ist ein ganz einfaches Villagehaus, mit wirklich absolut nur dem notwendigsten vorhanden.
In der Küche wird noch auf einem Ofen ohne Abzug gekocht, dementsprechend verrußt und dunkel ist das ganze Haus und man wird jeden Tag von einer Rauchwolke aufgeweckt. Der Haushalt ist auch ganz einfach, die Mutter hat z.B. keine Messer wie wir sie kennen, sondern bearbeitet alles mit einem Schneidebrett, ist ein Holzbrett, auf dem sie sitzt und auf dem eine sichelförmiges Messer angebracht ist, dauert natürlich dementsprechend lange, alles zu zubereiten. Es gibt zwei Schlafräume, einen für den Vater und der Zweite ist für die Mutter und die Kinder, im Moment ist aber nur ein Bruder von Roopa ständig zu Hause, denn der andere und ihre Schwester studieren auch und kommen nur in den Ferien nach Hause. Wir haben ganz einfach auf Decken, am Boden geschlafen, denn es gibt nur drei Betten im Haus und in den Zimmern gibt es nur einen Kasten, der Rest wird einfach auf gespannten Stricken aufgehängt. Die Familie hat einen Fernseher, aber zum Beispiel keinen Radio. Extra für mich haben sie in die Küche einen Tisch und Sesseln gestellt, denn sie haben nicht gewusst, dass für mich das am Boden sitzen und essen, so wie sie es normalerweise immer machen, kein Problem ist, nur nebenbei, die Mutter ist nie bei uns am Tisch gesessen, sondern immer nur am Boden. In den traditionellen Familien essen auch zuerst die Gäste, dann die Kinder und der Ehemann und die Mutter ganz zum Schluss, alleine. Das Badezimmer auch ganz minimalistisch, es gibt es einen Wasserbehälter, der von außen mit Holz und Kokosnussschalen für warmes Wasser beheizt wird und gewaschen wird mit der Kübeltechnik. Wenn es gut geht haben sie im Dorf in der Früh und am Abend, für jeweils ein oder zwei Stunden Strom, die drei Tage, die ich dort war, hat es nur einmal am Abend Strom gegeben. Auf Grund der Stromprobleme sind wir jeden Tag um neun oder halb zehn schlafen gegangen, denn was soll man sonst tun. Sie haben zwar eine Solaranlage am Dach, somit gibt es aber nur Licht, aber das war es auch schon. Tagwache war aber dafür schon um sieben.
Ich habe es genossen, das einfache Leben, war schön zu erleben, sich wieder einmal was das Mindeste zu reduzieren und zu sehen was man eigentlich wirklich zum leben braucht. Was mir aber wirklich zum denken geben hat, war die Vorstellung, dass Roopa’s Mutter noch nie in einer Großstadt war, sie hat wirklich keine Ahnung was in der großen weiten Welt los ist, was wir für Probleme haben, wenn wir mal keine Internetverbindung herstellen können, denn sie hat ja nicht einmal ein Mobilnetz in ihrem Dorf. Sie lebt mit ihrer Katze, ihrem Hund und ihren drei Büffeln in ihrer Welt und wäre sicher todunglücklich, wenn man sie auf einmal in eine Stadt schicken würde. Im Endeffekt sind es zwei Welten, das Villageleben und alltägliche Leben, wie wir es erleben, die von den Kindern verbunden werden, nur ist die Frage, wer in Zukunft in solchen Dörfern wohnen wird, denn die Brüder von Roopa haben mir keine Antwort, auf die Frage, ob sie einmal in ihrem Dorf und sich um die Felder kümmern werden, wohnen werden.
Die zweite Geschichte die ich an diesem Wochenende live miterleben durfte, war Roopa’s Arrangement für ihre Hochzeit. Sie hat seit zwei Monaten im Internet und per mobile, mit einem weitschichtig entfernten Verwandten, eine Beziehung, sie ist verliebt über beide Ohren. Sie hat ihn das vorherige Wochenende heimlich getroffen, was aber beide Familien raus bekommen haben und somit war eine oarge Krisenstimmung bei ihr zu Hause angesagt, sie hat sich ziemlich vor ihrem Vater gefürchtet. Aber auf Grund der Tatsache, dass beide, Roopa und ihr Boy, ihren Familien erzählt haben, dass sie sich lieben und heiraten wollen, war es dann nicht ganz so schlimm und nach zwei Tagen diskutieren war auch der Vater von Roopa mit der Hochzeit einverstanden, denn auf Grund des Verwandtschaftsgrades kommen beide aus gleichen Brahmanen Kaste und somit spricht nichts dagegen. Roopa hat jetzt gemeint, dass meine Anwesenheit viel dazu verholfen hat, dass alles so gut über die Bühne gegangen ist, denn im Normalfall hätte es von bösen Streitereien bis zu Schlägen alles gegeben. Am Sonntag haben dann sogar schon die Verhandlungen zwischen den Familien angefangen. Es ist somit eine Liebe-Arrangement Hochzeit. Für die Verhandlung ist von der Boy Seite sein Schwager, ist sozusagen sein Guide, gekommen und von Roopas‘ Familie, zwei ihrer Onkeln und ihr Vater. Sie haben alle zur Hochzeit zugestimmt und ein Datum für die Verlobung vereinbart, sie wird Mitte Dezember stattfinden.
Jetzt bin ich wieder in meiner indischen “normalen“ Welt zurück, aber auch hier spüre ich täglich die Stromprobleme, denn im Moment haben wir zwei Stunden in der Früh, zwei am Nachmittag und auch zwei am Abend, den sogenannten Power-cut, während dessen keine Klimaanlage usw. funktionieren.

Dienstag, 16. September 2008

Geschichten aus dem Alltag: Bengauli Marriage

Vor zwei Wochen war ich eine Woche in Delhi, denn die Schwester von Tisham hat geheiratet und sie haben mich dazu eingeladen und weil zu der Zeit bei mir auf der Uni nur Exams waren habe ich schon vorm Sommer beschlossen mir auch einmal eine Nordindien Hochzeit anzuschauen.

Es war genau die Woche in der am Samstag die 5 Bomben hoch gegagen sind, es hat so sein sollen, dass ich an diesem Tag nicht an einen dieser Plätze einkaufen war, denn ich habe am Freitag kurzfristig meine Pläne geändert und umgedreht…

Als ich Delhi angekommen bin, habe ich ausser Tisham niemand aus seiner Familie gekannt, was sich sehr rasch geändert hat, denn in kürzerster Zeit war ich wie ein Famileinmitglied aufgenommen und konnte so alle Bräuche in der Brautfamilie miterleben. Wie ihr aus meiner Betitelung erkennen könnt, ist die Familie vom Tisham nicht vom Nordpart, sondern von Bengauli – aus Koklkata, nur lebt jeder woanders, darum hat die Hochzeit in Delhi statt gefunden.
Die Hochzeit war eine “arranged“ marriage, aber der anderen Art, denn die Beiden Arpita und Saurabh kennen sich schon über ein Jahr und haben sich in der Zeit auch öfters getroffen, was normalerweise nicht sein darf. Die Beiden haben ihren Willen durchgesetzt und gemeint nach einem oder zwei Treffen können sie nicht sagen, ob das der Lebenspartner ist und dadurch, dass beiden Seiten liberale Eltern haben, war das kein Problem. Es war auch schön zu sehen, dass bei dieser Hochzeit, die Kasten keine Rollen spielen, denn Arpita kommt von einer niedrigen Kaste als Saurabh, er ist ein Brahmane.
Am ersten Tag hat die wirkliche Hochzeit stattgefunden, an diesem Tag wird alles von den Brauteltern organisiert und finanziert. Als ich am Vormittag in ihr Haus angekommen bin, war schon eine Puja (= Messe im Hinduismus) im Gange, bei der, für alle verstorbenen Familieangehörigen gebetet wird, aber auch für die Zukunft. In der Puja sind nur der Brautvater und die Arpita involviert. Währendessen ist im ganzen Haus Verwandschaft, die verköstigt und Unerhalten werden muss. Nach der Puja hat es eine Tamarindschlacht gegeben, Tamarindpulver wird mit Wasser vermischt und soll eigentllich nur der Braut ins Gesicht geschmiert werden, die sich natürlich wehrt und somit hat dann jeder die gelbe Farbe im Gesicht, war urlustig, alle wie kleine Kinder!
Nach dem obliagtorischen Mittagsschlaf, alle, egal welchen Alters, legen sich nieder und schlafen eine Stunde, ohne dem geht gar nichts. Und danach wurde es hektisch, denn die Braut musste hergerichtet werden, Saree, Haare, Schminke inklusive Gesichtsdeko, sehts ihr auf den Fotos ….
Auch ich habe diesmal wieder Saree getragen, diesmal konnte ich den Saree schon fast alleine herum wickeln, aber Gott sei Dank hat es ja genug Tanten im Haus gegeben, die mir dann doch ein bisschen geholfen haben. Dann ging es auch schon los, wir sind gemeinsam losgefahren zu der Marriage-hall, aber ohne Braut, denn die kommt zu letzt. Zur Erklärung hier in Indien gibt es eigene Hochzeitshäuser, die nur für die Zeremonien erbaut wurden und die man anmieten kann. Für das Essen und die Deko, die Blumendeko, die sie hier machen ist der Hammer, denn es werden Blumenketten aus reinen Blüten, die einzeln aufgefädelt werden, für die Autodekoration usw. gemacht, dass könnte bei uns keiner bezahlen und dann gibt es noch ein Catering Service, na ja und dann braucht man noch einen Priester.
Saurabh ist von Tisham’s Mama empfangen worden, denn sie muss ihn füttern und ihm was zu trinken geben, um ihm so Willkommen zu heißen. Dann nach etwas längeren warten, ist die Braut angekommen. Die Zeremonie findet so nebenbei statt, wie ich schon beim Robert in Bali erlebt habe, denn die ganze Verwandschaft, plauedert, ißt, trinkt, kümmert sich aber wenig über das eigentliche Geschehen. Der Trauungsakt selber ist nur ganz kurz, in dem vom Priester ein Band über beide Hände gelegt wird. Es gibt keinen Ringaustausch oder so, die Braut sollte nur ab diesem Tag einen weißen und einen roten Armreifen auf jeder Hand, als Symbol, dass sie verheiratet ist tragen. An diesem Tag schlafen Braut und Bräutigam auch noch getrennt, denn die Braut schläft zu Hause und auch der Bräutigam schläft bei seiner Familie. Erst am nächsten Tag wird die Braut am Abend vom Bräutigam und dessen Familie abgeholt. Dieser Akt ist total traugrig, vorallem für die Brautmutter. Denn bevor sie das Haus verlassen, findet in der Art eine Verabschiedung aus der Familie statt. Die ganze Familie der Braut muss dem Bräutigam was zu trinken und essen geben und beide segnen. Die Mama von Arpita war total am Ende, denn die Tradition sagt auch, dass die Braut erst wieder vier Tage später zu ihren Eltern kommen darf.
Dafür habe ich bei der Familie im Haus schlafen dürfen, denn ich habe aus dem Guesthouse aussiedeln müssen und bin so ins Haus von Tisham übersiedelt und habe dann aus Platzgründen mit einer Cousine und einer Tante im Bett geschlafen, was aber für mich kein Problem war, denn in der Hinsicht bin wie die Inder, die brauchen nur einen Platz zum hinlegen und das reicht ihnen auch schon zum schlafen, für viele Verwandte wurde einfach am Boden eine Matte ausgebereitet… nur zur Erkläfung die Unterbringungs- und Essenskosten der gesamten Sippschaft für die paar Tage, sind natürlich auch von den Brauteltern zu tragen.
Aber am dritten Tag findet ja noch Reception statt, die wird diesmal von der Bräutigamseite ausgerichtet und somit treffen sich wieder alle. Zu dieser Feier kommen wieder so 150 – 200 Gäste. Im Endeffekt nur eine Geschenkabgabe und es gibt wieder gutes non veg Essen, dass ist der große Unterschied zu Tamil Hochzeiten, denn hier gibt es nur vegetarische Thali’s (Thali ist das billigste und einfachste Essen) und im Norden gibt es auch non Veg. Gerichte, gutes Fischcurry, denn Fisch und Eier sind hier auch non Veg., Chicken und Mutton, in der verschiedensten Arten. Hier habe ich auch wieder einmal non Veg. gegessen, obwohl ich sonst in den 10 Monaten fast Vegetarier geworden bin, nicht aus Glaubensgrüden, sondern einfach weil es nicht schmeckt, die Qualität zu wünschen übrig lässt, vorallem beim Fisch und mir wahrscheinlich noch heißer wäre, als schon ohne Fleisch.
Sonst passiert bei der Reception nicht viel, ausser hunderte Fotosessions!