Dienstag, 24. Juni 2008

Geschichten aus dem Alltag: Dharamsala - Mc Leod - Chauntra


Mein Urlaub hat in Delhi begonnen, wo ich Jenny, Steffen und Simon getroffen habe und wir gemeinsam eine Sightseeingtour gemacht haben. Das lustigste war aber wieder einmal ein Inder, denn wir haben uns bereits in Vellore mit Shambu in Delhi verabredet, denn er wohnt nicht unweit entfernt. In unserer naiven Europäischen Art haben wir ernsthaft geglaubt, super, so haben wir einen Einheimischen, der uns die Stadt zeigen kann. Ja, das haben wir aber auch nur geglaubt, denn im Endeffekt haben wir ihm seine Hauptstadt gezeigt!!! Aber nach 6 Monaten Indien hat mich das nicht mehr geschockt, habe nur darüber gelächelt und es ist auch egal gewesen, denn wir hatten viel Spaß, obwohl es ziemlich heiß war, so um die 40 Grad.
Am Abend hat es Abschiednehmen geheißen, denn Jenny und ich sind rauf nach Dharamsala gefahren und Steffen und Simon sind nach Deutscheland zurück geflogen. Irgendwie schon ein komisches Gefühl, dieses dauerende kommen und gehen, neue Freunde finden, lustige Monate gemeinsam verbringen und dann wieder verabschieden und die Einzige, die in VIT übrig bleibt, zu sein.
Die 12 Stunden Busfahrt waren ok, denn wir haben Gott sei Dank einen Luxus AC Bus gebucht und somit haben wir auch wirklich schlafen können. Die 12 Stunden waren aber noch nicht genug, denn in Dharamsala selber gibt es nicht wirklich was zum sehen, somit muss man noch einmal mit einem öffentlichem Bus rauf nach Mc Leod fahren, es dauert aber nur eine halbe Stunde. Wir kennen dieses Gebiet nur unter Bezeichnung Dharamsala, denn dort sind die Verwaltungsgebäude angesiedelt, aber der eigentlich wichtige Ort ist Mc Leod, dort findet man die Monastry, wie auch den Wohnsitz von Dalai Lama.
Und dieses Örtchen ist wirklich urnett. Ich habe mich wie in der Steiermark gefühlt, heimatliche Gefühle sind aufgekommen … die Temperatur … die Luft, seit langem wieder einmal gute frische Luft ( ich möchte nämlich nicht wissen, wieviele Jahre mich dieses Indienjahr auf Grund der ganzen tollen Umwelteinflüsse, die ich gerade geniesse, kostet), Wald, wirklich, ich habe es genossen.
Der ganze Ort war für mich nicht Indien, denn man sieht nur Tibeter und hat auch sofort eine ganze andere Stimmung gespürt, viel ruhiger und gelassener … na ja halt Tibetisch.
Die Monastry ist von aussen ziemlich unscheibar, aber man kann eine schöne XXXX um den Berg gehen, um zum Hauptempel zu gelangen. Der Tempel ist im Gegensatz zu den Tempeln, die ich bis jetzt gesehen habe, nichts besonders, eher unscheinbar, aber trotzdem sehr austrahlend. So schön und friedvoll das jetzt vielleicht auch klingt, so wenig kann man aber hier auch nur eine Sekunde auf die ganzen Geschehnisse in Tibet vergessen, denn überall sind Plakate mit Folterfotos, oder Fotos von vermissenden Tibertern, oder auch Plakate vom vermissten Panchen Lama, angebracht. Vorm Klostereingang sitzen einige Mönche und Nonnen im Hungerstreik, all das gibt dem Ort, der wirklich was besonders für mich ist, eine trauige Stimmung. Ich habe aber trotzdem den Aufenthalt sehr genossen, im Wald spazieren zu gehen, am Abend einen Pullover anziehen zu dürfen, endlich wieder einmal sowas wie Kälte zu spüren und überall die rot gekleidetetn Mönche anzutreffen, das gibt den Platz das gewisse Etwas. Und noch was, ich habe gute Momos bekommen und auch die gute tibetische Nudelsuppe, Jenny musste natürlich auch den Buttertee probieren, der ihr sogar geschmeckt hat.
Man hätte fast vergessen können, dass man in Indien ist, wenn nicht die Inder selbst dort gewesen wären. Die Inder lieben diesen Platz nämlich auch, aber nicht weil er der Sitz des Dalai Lamas ist, sondern weil es eine Hillstation ist und sie vor der Hitze flüchten. Jetzt muss man sich aber an diesem eher sehr ruhigen, sehr besinnlichen Platz, die Inder vorstellen, die keine Ruhe kennen, geschweige denn sich hinsetzen und wirklich geniessen können, denn auch wenn sie ihre Tempeln besuchen, dann ist das ein schnelles durchrennen, denn Hauptgott des Tempels für eine Sekunde sehen und dann wieder schnell raus. Bei meinem morgentlichem Besuch des Tempels, hat gerade ein teaching stattgefunden, zu dem sich viele Gläubige und Mönche vor dem großen Raum hingesetzt haben um zu meditieren. Bis die ersten indischen Touristen kamen. Es war wirklich ein geniales Bild, auf der einen Seiten die total ruhigen in sich gekehrten Buddhisten und auf der anderen Seite die hektisch, keine Sekunde ruhig sein könnenden, mit Handy herumlaufenden Inder zu sehen, gegensätzlicher kann es gar nicht sein. Der Hammer war aber dann, als mich ein Inder gefragt hat, ob der Mönch der das Teaching abgehalten hat, der Dalai Lama ist. His Holiness Dalai Lama war ja zu diesem Zeitpunkt gerade in Deutschland, somit habe ich ihn leider nicht sehen können.
Nach zwei Tagen sind wir mit dem Bus weiter gefahren, nach Chauntra, um dort das Tibtische Children Village (TCV) zu besuchen, denn dort lebt die kleine Sherab, mein tibetisches Patenkind. Die Busfahrt dauerte ca. drei Stunden, mit einmal umsteigen, war aber kein Problem zu finden, obwohl die Ortschaft urklein ist. Im Bus haben wir eine Lehrerin aus dem TCV getroffen, womit wir auch mit dem finden des Kinderdorfes kein Problem hatten, aber auch die Taxifahrer kennen es und es ist kein Problem von der Bushaltestelle dort hin zu kommen.
Die Ankuft war gleich super herzlich, wir sind vom Headmaster und seiner Frau empfangen worden, ins Gästezimmer, na ja Zimmer ist eigentlich untertrieben, denn es ist eine kleine Wohnung, sogar mit Küche, begleitet worden und haben sofort Tee und Kekse bekommen. Wir sind leider erst am Abend angekommen, darum konnten wir nicht mehr viel vom Geländer sehen, ausser, die noch im freien spielenden Kinder, dass alleine hat aber schon ausgereicht, um zu sehen, dass die Kinder ihren Spaß haben und glückklich sind. Ich habe mich im TCV von der ersten Sekunde an sehr wohl gefühlt und dieses Gefühl hat sich bis zum Schluß nur verstärkt, denn es war so schön zu sehen, wie liebevoll und Respektvoll Alle miteinader umgehen, ein Platz voller Harmonie.
Im TCV leben die verschiedensten tibetischen Kinder, welche die alleine in Indien sind und deren Familie noch in Tibet ist, aber auch Kinder, deren Eltern bereits geflüchtet sind, aber entweder in Nepal wohnen oder sich keine Ausbildung leisten können oder sie in A wohnen, wo es keine Schulen gibt und die Kinder keine Ausbildung bekommen können.
Es gibt aber keine Unterschiede, jedes Kind ist gleich wichtig.
Die Kinder leben zu 50’st mit einer Mutter in einem Haus, in dem sie, bis sie 14 Jahre alt sind, bleiben können. Die Geschwister werden im selbem Haus untergebracht. Eine schöne Regelung ist auch, dass jedes Kind ein anderes, gleichen Geschlechtes, zugeteilt bekommt, auf das es schauen soll. Somit ist kein Kind alleine, jedes hat ein Ersatzgeschwisterl, was immer aufpasst und vorallem haben so die ganz Kleinen wen, der ihnen beim Klo gehen, anziehen, … hilft. Die Kinder schlafen in Buben- und Mädchenräumen getrennt, die Zimmer sind ganz einfach mit Stockbetten ausgestattet. Wenn sie älter als 14 sind, werden sie in 4 Bettzimmer untergbracht, damit sie dann doch ein bisschen Privatsphäre bekommen. Die Mütter leben selber mit ihrer Famile im Haus und sind immer vor Ort, falls irgendwas sein sollte. Im Erdgeschoß hat jedes Haus eine große Küche und einen Speisesaal und was auch noch nett ist, alle haben eine Dachterrasse, die von Alle genutzt werden kann.
Die Mamis die ich kennen lernen durfte, waren so richtige Mamis, die nicht nur zwei eigenen Kinder haben, sondern 50, das Gefühl eines Waisenheimes oder Internates ist hier nie aufgekommen, ich habe mich immer in Mitten einer riesigen Familie gefühlt.
Das TCV ist auch mit einer Krankenstation, mit zwei Krankenschwestern vor Ort, bestens versorgt und alle zwei Wochen kommt ein Arzt aus Dharamsala vorbei.
Die Sprache ist hier rein tibetisch, wird auch unterrichtet, wobei English schon auch gelehrt wird.
Das Schulkonzept ist auch erwähnenswert, denn für alle Neuankömmlinge gibt es einmal sowas wie eine Einlebklassen, wo geschaut wird, was sie schon alles können und nachdem werden sie dann, wenn die Zeit reif ist, eingeschult. Es gibt auch sogenannte Specialklassen, für die Kinder, die nicht so schnell und gut lernen oder auch teilweise behindert sind. Hier wird versucht die Lernschwäche zu beseitigen oder eine besondere Fähigkeit bei den Kindern zu finden, die dann gefördert wird, wie z.B. beim malen, in dem sie in eine Thangka-Malschule gehen können. Der Umgang mit diesen Kindern war besonders schön zu sein, von den Lehrern, als auch untereinander am Abend beim spielen, total liebevoll und gar nicht ausgrenzend.
Wenn man bedenkt, was manche der Kinder, mit schon so wenigen Jahren alles durchgemacht haben, von den Eltern, für sie unbegreiflich warum, ins Ungewisse geschickt, die enormen Strapazen der Flucht über den Himalaya, die man wahrscheinlich gar nicht wirklich mit Worten beschreiben kann, Ankunft in der angeblichen Freiheit, in einem Land, in dem sie niemanden kennen und auch nicht wissen, warum sie eigentlich dort sind, aber dann an so einem Ort, voller Respekt, Harmonie und Liebe aufgefangen werden, ihrem neuem zu Hause, in dem sie ihre Sprache sprechen, ihre Religion und ihre Kultur ausleben dürfen, kann man vielleicht die Eltern verstehen, warum sie es gemacht haben.
Für mich war natürlich das Treffen mit Sherab, das Schönste. Alle haben gewußt, dass ich, der Sponsor, so werden wir hier genannt, von Sherab zu Besuch bin und wollten uns, Jenny und mich, sehen. Ich habe sie das erste Mal in ihrer Klasse, die wir beim Rundgang besucht haben, gesehen, sie war ganz schüchtern und verschreckt. Sie ist ein ganz ruhiges schüchternes Mädchen, was gar nicht gern im Mittelpunkt steht und dann komme ich und auf einmal ist sie die Hauptatraktion, denn ihr Sponsor ist ja da. Irgendwie hat sie mir sogar leid getan, denn ihr war die Situation sichtlich unangenehm, darum habe ich sie auch nach kurzer Zeit auf ihr Zimmer begleitet und sie dann alleine gelassen. Wir haben uns dann noch einmal im Garten mit ihren Freundinnen getroffen, wo ich dann versucht habe mit ihnen ein bisschen zu reden, was aber nicht so leicht war, denn Sherab kann leider nur ganz schlecht Englisch, darum war eine richtige Unterhaltung nicht möglich. Ich habe es einfach als schön empfunden sie kennen zu lernen, sie zu treffen, sie persönlich zu sehen und ihr vielleicht das Gefühl gegeben zu haben, dass da draußen noch ein Freund ist, der auf sie schaut.
Tenzin hat mir dann erzählt, dass alle ersten Treffen normalerweise so ablaufen, denn man soll nie die grundsätzliche Art der Tibeter vergessen, zuerst einmal zu beobachten, zu schauen wer da kommt und dann schön langsam aufzutauen und natürlich ist die Sprache eine große Hürde.

Es war einfach schön diesen Ort, in dem Menschlichkeit an erste Stelle steht, nach 6 Monaten VIT, wo dieser Faktor irgendwo ganz weit hinten steht, zu besuchen.

Dann hat es auch schon wieder Abschiednehmen geheißen und im Regen sind wir von Dharamsala mit dem Bus nach Delhi abgefahren.

Sonntag, 1. Juni 2008

...mitten drin in Indien

Heute in der Nacht geht es wieder weiter, wir fahren nach Bodghaya, der heiligeste Ort der Buddhisten, denn hier ist Buddha erleuchtet worden. Besonders eindrucksvoll sollen die verschiedenen Tempeln sein, denn jede buddhistische Richtung hat ihren Eigenen, wie die Japaner, die Koreaner, die Tibeter usw.
Die letzten Tage haben wir so richitg schoen indisch verbracht, zuerst waren wir bei Vivek, er wohnt etwas ausserhalb von Delhi, ca. eine halbe Stunde, in einem kleinem Doerflein, in dem die ganze Familie zusammen wohnt, wir haben an einem Nachmittag so ca. 60 Familienmitglieder kennen gelernt, war ziemlich anstrengend, denn ueberall mussten wir was essen und was trinken, aber dafuer auch wirklich urschoen, diese starke Familienbande zu sehen. Ich wuerde mal sagen, diese Familie weiss noch was Lebensqualitaet heisst und ist trotz Geld eine ganz normale Farmerfamilie geblieben. Jakob und ich waren von der ersten Sekunde an neue Familienmitglieder, war echt schoen zu erleben. Und dann ging es weiter nach Lucknow, mit dem Zug, in den Heimatort von Shirish. Hier ist es wieder ganz anders, denn Shirish wohnt in einer Stadt, nur mit seinen Eltern und seinem Bruder, dem zukuenftigen Superstar, aber eines war gleich wie bei Vivek, die Herzlickeit, mit der wir aufgenommen wurden!!!

Uebrigens verstehen der Jakob und ich ueberhaupt nicht, wie man nur aus Indien mit weniger Kilos heim kommen kann!
Echt ein schoner Urlaub, die Zeit mit meinem Bruder und mit meinen Freunden zu verbringen.