Mittwoch, 23. Januar 2008

Geschichten aus dem Alltag: GOA


Ich sage es euch schon mal gleich vorweg es war genial J
In Indien ist bei solchen Trips meistens die An- und Abreise etwas eigen, beschwerlich wäre der falsche, zu negativ behaftete Ausdruck, denn im Endeffekt ist es immer noch lustig gewesen. Also, wir drei Mädls, Anne Sophie und ich, sind am Donnerstag Abend mit dem Bus von Vellore nach Bangalore gefahren, 5 Stunden, und sind um 4:30 in Bangalore am Busbahnhof gelandet, na ja dann war die große Frage – was tun jetzt, denn ein Lokal suchen wäre sinnlos, so sind wir mit dem Bus einfach zum Flughafen gefahren und haben dort bis zu Mittag auf unseren Flug gewartet. Wir mussten leider so komisch anreisen, denn der einzige Zug von Vellore nach Bangalore wäre erst in der Früh gefahren und dann hätten wir nur zwei Stunden bis zu unserem Abflug gehabt und hier in Indien ist es aber normal, dass der Zug so eine Stunde Verspätung hat und dann noch der Verkehr in der Großstadt, dass wäre sich einfach nicht ausgegangen.
Dann endlich, nach der ganzen Strapaze sind wir in GOA gelandet, wir wurden von einem Fahrer abgeholt und haben dann noch 1 ½ Stunden Fahrt in den Süden genossen – und dann endlich im Paradies gelandet.
Es war der Hammer, als wir angekommen sind, überall nur die Palmenhütten, keine Häuser, nur Palmen der Strand und das Meer, ich bin mir wie im falschem Film vorgekommen. Die erste Nacht haben wir in einer kleinen Hüttensiedlung, 6 Hütten, in der nur Europäer, die gleich einige Monate hier verbringen, teilweise Pensionisten, aber auch die Hippies, die einfach flüchten wollen, gewohnt. Die Hütte war mit einem kleinem Balkon, einem Schlafbereich und einem Bad mit WC ausgestattet, alles ganz einfach, aber was braucht man mehr ?
Wir sind natürlich gleich ins Meer gehüpft und haben dabei einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen dürfen ...
Der Strand heißt Palolem beach und ist im Süden von Goa, er ist noch recht ruhig und man findet nur einfache Behausungen, vor allem die Hütten und keine Hotelkomplexe, was natürlich der Traum ist.
Wenn man im Meer geschwommen ist und zurück, aufs Land geschaut hat, waren nur Palmen und der Strand zu sehen, ... Ich hoffe die Berichterstattung ist erträglich für euch, aber wie ich gehört habe, habts ihr eh auch mitlerweile Frühling, dann haltet ihr das schon aus, hihihi.
Am nächsten Tag sind wir dann in unser eigentliches Quartier übersiedelt, San Francisco hat sich die Anlage geheißen, direkt am Strand, mit einem Restaurant dabei. Die Hütte war etwas kleiner, aber genauso aufgebaut und ja, was noch zu erwähnen ist, die Hütten sind nur mit einem Ventilator und Kaltwasser, was aber nicht wirklich kalt war, ausgestattet. Die Hütte hat uns pro Tag 14 Eur kostet und wir haben sie uns zu dritt geteilt, war somit eine 5 Eur für die Behausung J
Am Strand sind einige nette Lokale, alle mit Meeresblick und gutem Essen, es ist also nicht so, dass gar nichts los war, es war einfach alles stimmig, nichts übertrieben, auch von den Touristen, nicht überfüllt und angenehme Leute.
Was auch wirklich genial war, es hat europäisches Essen gegeben! Das klingt jetzt vielleicht etwas komisch, aber Alle, die schon mal länger weg waren, werden mich verstehen, ich habe letztes Jahr auch bei Hilde gelacht, als sie unbedingt Bruscetta essen wollte, auf jeden Fall hat es dort einen “echten“ Italiener gegeben und keine Ahnung, ob es auf Grund der zwei Monate war oder weil sie einfach wirklich gut war, die Pizza hat auf jeden Fall genial gut geschmeckt!!!
Einen Tag sind wir Richtung Norden, auf einen anderen Strand, Agonda beach gefahren. Ich sage nur Natur pur, total unberührt, dort es gibt es genau 10 Palmenhütten, 2 Lokale und sonst Strand, Meer und Umgebung. Für den einen Tag war es echt schön, denn der Strand war auch menschenleer, aber zum Urlaub machen.... vielleicht als total verliebtes Pärchen, aber ansonsten, etwas zu viel Nichts.
Auf diesem Strand haben wir die abartige Begegnung von männlichen indischen Touristen gehabt. Man muss sich vorstellen, die fahren einfach nur deshalb nach Goa, um sich die Bikinigirls anzuschauen. Anzuschauen ist vielleicht zu harmlos ausgedrückt anzustarren, angaffen, keine Ahnung. Echt der Hammer sie treten immer im Rudel auf, haben meistens ein Handy in der Hand und starren, bleiben auch vor einem stehen, und das ärgste ist, teilweise filmen sie auch, keine Ahnung wo man uns jetzt sehen kann, aber ehrlich, total ungeniert, bis ich ausgezuckt bin und sie aufgehört haben. Da liegt man seelenruhig auf einem wunderschönen Strand, genießt einfach das Leben, beobachtet dabei eine indische Familie, wie sie ihren Ausflug ans Meer, komplett bekleidet natürlich, denn ausziehen gibts nicht, genießen und dann kommt so ein wahnsinniger Inder mit einem Bier in der einen und einer Filmkamera in der anderen Hand daher und filmt uns drei Girls. Die Situationskomik könnte aus einem Haderfilm stammen;
Den Norden von Goa haben wir uns natürlich auch angeschaut, Old Goa, bekannt für die wunderschönen Kirchen, unter anderem eine Katharina Kathedrale und Panaji, ist eine schöne alte portugiesische Stadt, mit einem netten Flair.
Auf Grund des immer am Mittwoch statt findeten berühmten “flea market“ in Anjuna, sind wir für eine Nacht dort hingereist. Anjuna war früher die Hippiehochburg, mittlerweile wurden sie von den Technofreaks abgelöst, alleine aus diesem Grund ist der Markt schon einen Besuch wert, denn teilweise laufen dort Gestalten herum, unglaublich. Der Markt war ganz eigen, schwer zu beschreiben, muss man einfach selber erlebt haben, denn er ist sicher zwei Fußballfelder groß und man bekommt dort Alles, vor allem viel Silberschmuck, Gewand, Gewürze, Kunstgegenstände, einfach alles und das in der einer Menge, unbeschreiblich, ihr kennts mich und meine Vorliebe für Silber, ich war aber unfähig was zu kaufen, denn außer Silber, habe ich nichts mehr gesehen, es war einfach viel zu viel, keine Ahnung wahrscheinlich muss man ein zweits Mal hinkommen, dann weiß man zumindest, was einem erwartet, denn beim ersten Mal ist man einfach überfordert, zumindest ist es mir so ergangen.
In Anjuna haben wir in einem netten Quartier gewohnt, war aber diesmal ein gemauertes Haus, auch nicht direkt am Meer, also ohne Wellenrauschen. Der Strand war viel voller und er hat einfach nicht die nette Atmosphäre wie Palolem gehabt. Aber dafür haben in einem guten deutschem Restaurant Kaiserschmarrn gegessen, mehr muss ich eh nicht sagen...

Die Heimreise war nicht so spektakulär, wie die Anreise, obwohl sie auch genug Zeit in Anspruch genommen hat.

Jetzt haben die Studenten gerade ihre Examen und ich bin diesmal auch als Supervisor eingeteilt, rennt natürlich auch alles streng nach Regeln ab, ohne eigenes Papier usw., was aber witzig ist, hier dürfen auf einmal die Burschen neben den Mädls sitzen, muss ich mal fragen warum, denn die Burschen sind alle ganz abgelenkt ....

Mittwoch, 9. Januar 2008

Geschichten aus dem Alltag: Termine und Büro

Die UNI funktioniert hier wie eine Schule, mit einem Stundenplan, von 8:30 bis 17:00,indem die Studenten ihre fixen Stunden vorgegeben haben und anwesend sein müssen. Es gibt auch fixe “Exam“ Zeiten, somit weiß jeder, dass alle Prüfungen in diesen Wochen statt finden. Natürlich gibt es auch fixe Ferienzeiten. Alle diese Daten sind in einem großen VIT Kalender eingetragen, der überall hängt.
Im Dezember hat es eine Verschiebung der Exams gegeben, keine Ahnung warum, aber egal. Mit diesem Wochenende sind Ferien, Ponga Feiertage, fragt mich nicht was es bedeutet, aber egal, wir haben fünf Tage frei!
Aus diesem Grund haben Anne, Sophie und ich befunden, wir fahren nach Goa. Einen direkten Zug haben wir für dieses Datum nicht gefunden, nur einen über tausend Ecken, wir wären insgesamt 22 Stunden unterwegs, und da haben wir einstimmig beschlossen, nein alles was recht ist, aber das ist zu viel, darum fliegen wir jetzt für 95 Eur und haben die Tickets letzten Dienstag gebucht. Bis jetzt ja alles noch recht normal und langweilig, aber jetzt kommt der Hammer: letzten Freitag erzählen mir diverse Kollegen, die Ferien wurden verschoben
!!!! das Datum wurde nach hinten verschoben!!!!
Könnts ihr euch das Vorstellen, einfach so, verschieben sie die Ferien!!! Ihr hättet mich sehen sollen, ich bin nur da gesessen und habe meine Kopf geschüttelt und mich gewundert. Das ist Indien, kann ich nur sagen. Mittlerweile kann ich ja schon wieder darüber lachen, wir müssen unser Flugticket um 30 Eur umbuchen, denn jetzt habe ich natürlich an den Tagen Unterricht und ich kann nicht einfach so weg. E-Ticket umbuchen geht ja bei uns nicht so leicht, hier ist es aber kein Problem, außer, jetzt kommt der nächste Hammer, dass sie bei Deccan Airlines, gehört zu Kingfisher Airline, die Umbuchung nur mit einer “nationale Kreditkarte“ zulassen, denn sie können die Daten nicht telefonisch entgegen nehmen, Begründung gibt es keine, ist einfach so und per Internet ist es nicht möglich, denn die Funktion gibt es auf der Homepage nicht, sorry it isn’t possible!!! Ich habe es aufgegeben, ich kann es nicht verstehen und ich bin fast davon überzeugt, sie verstehen es auch nicht, aber egal, wie auch immer, ich werde mir morgen einfach von einem Professor eine Kreditkarte ausborgen um die Umbuchung für 35 EUR durchführen zu können.
Die Verschiebung der Ferien bedeutet aber auch für die Studenten neue Examtermine und wir Lehrer müssen auf einmal zwei Samstag arbeiten, keine Ahnung warum zwei, denn die Ferien verlängern sich nur um einen Tag, der Grund ist wahrscheinlich einfach Indien J

Also ihr könnts euch sicher sein, fad wird einem hier nicht!
Für die nächsten freien Tage habe ich beschlossen nur noch ein paar Tage vorher was zu buchen, was leider auch urschwer ist, denn die Züge sind meistens zwei Wochen vorher schon ausgebucht, da muss man in Indien schnell sein, denn jeder reist mit dem Zug.
Ich bekomme ein eigenes Büro, hier cabin genannt, die Arbeiten, Wände aufstellen usw. sind bereits abgeschlossen und als ich heute Prof. Sehkar gefragt habe, wann ich denn jetzt übersiedeln soll, hat er mich, ehrlich ohne Schmäh, gefragt, ob ich schon einen Antrag für einen Tisch und Sessel gestellt hätte. Ich total entgeistert, nein, denn es ja normal, dass ich das brauche, hat er mir wiederum erklärt, nein ohne einen schriftlichen Antrag bekomme ich nichts. Also habe ich heute brav meinen Antrag für einen Schreibtisch mit Laden und einen Sessel gestellt. Ich bin schon gespannt wie lange es dauert, denn auf meine Registrierung, falls ihr euch erinnert, warte ich noch immer J
Das einzige Gefährliche bei solchen Situationen ist immer, dass ich keine Lachkrampf bekomme oder zynisch werde, denn es liegt mir immer auf der Zunge.

Übers Wochenende bin ich mit ein paar Freunden nach Mahabalipuram gefahren, war urschön, genialer Strand, viele schöne Tempel, einer direkt am Strand, ein Höhlentempel, wie auch einen Felsen, der ausschaut, als ob er jeden Moment zum rollen anfangen würde. Das Städtchen ist zwar von vielen Touristen besucht, trotzdem haben wir in einen sauberen Guesthouse für 3 EUR (!) die Nacht schlafen können. Am Samstag Abend haben wir guten frischen Fisch und ein gutes Biertschi genossen.

Jetzt freue ich mich schon auf die paar Tage Urlaub in Goa, Strand, Sonne, Hitze, Meer, ...

Donnerstag, 3. Januar 2008

Geschichten aus dem Alltag : Prüderie in Indien

Also, das unterrichten macht echt Spaß, es ist zwar noch das urkomische Gefühl da vorne auf dem Pult zu stehen und mit einem ganz vorsichtigen “Mam“ angesprochen zu werden, denn irgendwie sind sie alle ganz schüchtern und trauen sich nicht wirklich reden, aber ich denke es wird sich noch legen, wo ich mir diese Anfangsphase herbei sehnen werde.
Also bezüglich der Sitzordnung muss ich gestehen, die sitzen wirklich getrennt, Männlein-Weiblein, also prüder als die Inder geht ja nun wirklich nicht mehr, vielleicht sollte ich mal einen Sitzplan vorschlagen ?!
Die Uni VIT hat auch eine Partnerschaft mit China und deswegen sind hier 300 Chinesen nicht nur zu meiner, sondern zu aller Freude, denn es ist wirklich lustig zu beobachten, überall wo sie hinkommen, verdrehen alle die Augen. Anita vom International Office sagt, sie kommen wegen allen Problemen zu ihr, auch wenn sie untereinander streiten, obwohl sie eigentlich nur für das ganze bürokratische zuständig ist, der Hammer ist aber, finde zumindest ich, dass deren Programm auf vier Jahre geht, also die bleiben vier Jahre in Indien. Sie haben auch riesige Probleme mit der Küche und mittlerweile kochen sie sich selber ihr Essen, dass größte Problem ist aber, dass sie fast alle kein Englisch können und hier mal Englisch lernen müssen, um dann überhaupt studieren zu können. Ihr kennt ja meine Einstellung zu China und darum habe ich auch einen gewissen Respektsabstand zu den Chinesen, ja ich weiß eh, dass es nicht gerecht ist, darum habe ich mich auch heute in der Früh umso mehr gefreut, als sich eine von ihnen zu mir gesetzt hat, aber ich darf ja nicht unfair sein, sie war wirklich nett und bemüht und wollte nur mit mir nett plaudern. Wie auch immer, sie war auch über die Sitzordnung in den Klassen erstaunt, denn sie meinte zwar die Trennung in den Hostels gibt es auch in China, aber in der Klasse darf sich jeder dort hinsetzen, wo er will. Sie hat mir weiters erzählt, dass sie gleich am Anfang wie sie ihre Minnis tragen wollten, eine Zurechtweisung bekommen haben, dass man so was hier auf der Uni nicht tragt, na bin ich froh, dass ich meine ganzen Minniröcke zu Hause gelassen habe, wäre sonst nur unnötiger Ballast gewesen J

Am Donnerstag hatten wir hier am UNI Campus eine Tanzveranstaltung, alle die der Meinung waren, sie können tanzen, hatten die Chance aufzutreten. Ich war begeistert, dass sich hier auch mal was neben dem Uni Leben abspielt, und habe mich wirklich darauf gefreut, ich bin etwas später hingekommen, denn ich musste ja unterrichten. Als ich das Auditorium betrete, traue ich meinen Augen nicht, links sitzen die Burschen und rechts die Mädchen. Ich war und bin noch immer entsetzt, so was abnormales gibt es sicher nur hier!!! Maddy, ein Inder, der aus dem Norden kommt, hat mir erklärt, dass es hier im VIT eh alles offen zugeht, denn es gibt in anderen Universitäten es noch mehr Trennungen, wie eine Frau unterrichtet nur die Mädels usw. Ich habe bei diverse Leuten nachgefragt, die mir das alle bestätigt haben.
Unpackbar für mich, ich bin immer sprachlos, wenn ich so was wieder bemerke und wenn ich mich dann darüber aufrege, bekomme ich immer zur Antwort, ja das ist halt Indien, die sehen, dass als vollkommen normal.
Ihr hättet mal die Gesichter von den Indern sehen müssen, als ich denen erklärt habe, dass bei uns alles gemischt ist, sogar die Studentenwohnheime, ich glaube, sie glauben mir das bis heute noch nicht.
Letzte Woche waren in Vellore essen, denn wir sind recht spät mit dem Zug von Mysore zurück gekommen und außerdem, fährt Robert, (aus Dresden) morgen wieder nach Deutschland zurück. Es waren noch die Inder Shirish und Maddy mit, die im Boy-Hostel wohnen, also wir sind recht spät essen gegangen und auf einmal bekamen die Beiden den vollen Stress, denn um 21:30 werden die Tore verschlossen und sie kommen nicht mehr hinein, es gibt nur Ausnahmegenehmigungen für den Samstag. Die können nicht einmal sagen, wir feiern heute einen Geburtstag oder so, um 21:30 müssen sie zurück sein. Ich schwöre euch, wenn die das einmal bei mir machen, bin ich weg. Der Hammer, wenn ich schon dabei bin mich aufzuregen, war, als Katharina nach Hause fuhr, hätte sie vom Oberhostelaufseher eine Genehmigung gebraucht, dass sie das Hostel jetzt verlässt, um nach Hause zu fahren !!!! sie hat diese natürlich nicht eingeholt, aber ich bin davon überzeugt, schlimmer geht es nicht mehr.

Ja das nur so nebenbei als Schmankerl, viele der Studenten wohnen daher draußen, mieten sich daher Zimmer, obwohl, fort gehen in diesem Sinne kann man hier in Vellore eh nicht, denn die Stadt hat nichts zu bieten, außer das CMC (Krankenhaus) und die VIT und vielleicht drei Lokale in denen man Essen kann.
Soviel zum Studetenleben in Indien, auf mich wirkt das eher wie Knastleben, aber ich bin ja Gott sei Dank in Österreich aufgewachsen und sehe es daher aus einem ganz anderen Blickwinkel.