Donnerstag, 3. Januar 2008

Geschichten aus dem Alltag : Prüderie in Indien

Also, das unterrichten macht echt Spaß, es ist zwar noch das urkomische Gefühl da vorne auf dem Pult zu stehen und mit einem ganz vorsichtigen “Mam“ angesprochen zu werden, denn irgendwie sind sie alle ganz schüchtern und trauen sich nicht wirklich reden, aber ich denke es wird sich noch legen, wo ich mir diese Anfangsphase herbei sehnen werde.
Also bezüglich der Sitzordnung muss ich gestehen, die sitzen wirklich getrennt, Männlein-Weiblein, also prüder als die Inder geht ja nun wirklich nicht mehr, vielleicht sollte ich mal einen Sitzplan vorschlagen ?!
Die Uni VIT hat auch eine Partnerschaft mit China und deswegen sind hier 300 Chinesen nicht nur zu meiner, sondern zu aller Freude, denn es ist wirklich lustig zu beobachten, überall wo sie hinkommen, verdrehen alle die Augen. Anita vom International Office sagt, sie kommen wegen allen Problemen zu ihr, auch wenn sie untereinander streiten, obwohl sie eigentlich nur für das ganze bürokratische zuständig ist, der Hammer ist aber, finde zumindest ich, dass deren Programm auf vier Jahre geht, also die bleiben vier Jahre in Indien. Sie haben auch riesige Probleme mit der Küche und mittlerweile kochen sie sich selber ihr Essen, dass größte Problem ist aber, dass sie fast alle kein Englisch können und hier mal Englisch lernen müssen, um dann überhaupt studieren zu können. Ihr kennt ja meine Einstellung zu China und darum habe ich auch einen gewissen Respektsabstand zu den Chinesen, ja ich weiß eh, dass es nicht gerecht ist, darum habe ich mich auch heute in der Früh umso mehr gefreut, als sich eine von ihnen zu mir gesetzt hat, aber ich darf ja nicht unfair sein, sie war wirklich nett und bemüht und wollte nur mit mir nett plaudern. Wie auch immer, sie war auch über die Sitzordnung in den Klassen erstaunt, denn sie meinte zwar die Trennung in den Hostels gibt es auch in China, aber in der Klasse darf sich jeder dort hinsetzen, wo er will. Sie hat mir weiters erzählt, dass sie gleich am Anfang wie sie ihre Minnis tragen wollten, eine Zurechtweisung bekommen haben, dass man so was hier auf der Uni nicht tragt, na bin ich froh, dass ich meine ganzen Minniröcke zu Hause gelassen habe, wäre sonst nur unnötiger Ballast gewesen J

Am Donnerstag hatten wir hier am UNI Campus eine Tanzveranstaltung, alle die der Meinung waren, sie können tanzen, hatten die Chance aufzutreten. Ich war begeistert, dass sich hier auch mal was neben dem Uni Leben abspielt, und habe mich wirklich darauf gefreut, ich bin etwas später hingekommen, denn ich musste ja unterrichten. Als ich das Auditorium betrete, traue ich meinen Augen nicht, links sitzen die Burschen und rechts die Mädchen. Ich war und bin noch immer entsetzt, so was abnormales gibt es sicher nur hier!!! Maddy, ein Inder, der aus dem Norden kommt, hat mir erklärt, dass es hier im VIT eh alles offen zugeht, denn es gibt in anderen Universitäten es noch mehr Trennungen, wie eine Frau unterrichtet nur die Mädels usw. Ich habe bei diverse Leuten nachgefragt, die mir das alle bestätigt haben.
Unpackbar für mich, ich bin immer sprachlos, wenn ich so was wieder bemerke und wenn ich mich dann darüber aufrege, bekomme ich immer zur Antwort, ja das ist halt Indien, die sehen, dass als vollkommen normal.
Ihr hättet mal die Gesichter von den Indern sehen müssen, als ich denen erklärt habe, dass bei uns alles gemischt ist, sogar die Studentenwohnheime, ich glaube, sie glauben mir das bis heute noch nicht.
Letzte Woche waren in Vellore essen, denn wir sind recht spät mit dem Zug von Mysore zurück gekommen und außerdem, fährt Robert, (aus Dresden) morgen wieder nach Deutschland zurück. Es waren noch die Inder Shirish und Maddy mit, die im Boy-Hostel wohnen, also wir sind recht spät essen gegangen und auf einmal bekamen die Beiden den vollen Stress, denn um 21:30 werden die Tore verschlossen und sie kommen nicht mehr hinein, es gibt nur Ausnahmegenehmigungen für den Samstag. Die können nicht einmal sagen, wir feiern heute einen Geburtstag oder so, um 21:30 müssen sie zurück sein. Ich schwöre euch, wenn die das einmal bei mir machen, bin ich weg. Der Hammer, wenn ich schon dabei bin mich aufzuregen, war, als Katharina nach Hause fuhr, hätte sie vom Oberhostelaufseher eine Genehmigung gebraucht, dass sie das Hostel jetzt verlässt, um nach Hause zu fahren !!!! sie hat diese natürlich nicht eingeholt, aber ich bin davon überzeugt, schlimmer geht es nicht mehr.

Ja das nur so nebenbei als Schmankerl, viele der Studenten wohnen daher draußen, mieten sich daher Zimmer, obwohl, fort gehen in diesem Sinne kann man hier in Vellore eh nicht, denn die Stadt hat nichts zu bieten, außer das CMC (Krankenhaus) und die VIT und vielleicht drei Lokale in denen man Essen kann.
Soviel zum Studetenleben in Indien, auf mich wirkt das eher wie Knastleben, aber ich bin ja Gott sei Dank in Österreich aufgewachsen und sehe es daher aus einem ganz anderen Blickwinkel.

1 Kommentar:

kathik hat gesagt…

Supi so wissen wir immer wie es dir geht und was du tust! Spannend ist auch wie das Leben, der Alltag in Indien abläuft,ich muss dich unbedingt besuchen!!! Aber deine literarische Tätigkeit war bestimmt recht zeitinteniv und anstregend und darum sollten wir jetzt auf ein Bier gehen. Heute 20 Uhr Kolar?? Ich bin total begeistert aber ab und zu sollte doch noch Zeit beleiben, dass wir uns sehen! Dickes BUSSSSI lonely kitty