
Letztes Wochenende war es soweit, ich habe gemeinsam mit Sofi und Jospeh, dem Mother Teresa Kloster ein Mittagessen, Arzneiwaren, Stoffe und einen Kuchen gespendet.
Ich war ziemlich unruhig am Weg zum Kloster, denn ich habe immer an die Bilder der Kinder vom letzen Besuch denken müssen und habe mich etwas vor diesem Anblick gefürchtet.
Im Kloster war ich die Erste, denn ich habe mir das pünktlich sein noch immer nicht abgewöhnen können und die indische Zeitangaben sind immer sehr relativ, wenn mann so gegen 10:00 ausmacht, könnte man eigentlich auch nur am Vormittag sagen, denn entweder erscheinen sie schon um 9:00 oder erst um 11:00, obwohl das zweitere eher realistisch ist!
Ich bin von der Oberin empfangen, obwohl empfangen ist viel zu freundlich, begrüßt worden und sie hat mich dann gleich, so mit einem Unterton, gefragt, was ich denn hier will. Ich habe es ihr erklärt und entweder wollt sie mich nicht verstehen oder hatte sie einfach nur einen schlechten Tag gehabt, auf jeden Fall, hat sie nur gemeint, sie weiß von nix und mir die Türe vor der Nase zugeknallt. Na ja und da waren sie wieder, die Kindheitserinnerungen, als mich meine Eltern in einen Klosterkindergarten stecken wollte und ich beim Anblick der Schwestern so zum brüllen angefangen habe, dass sie mich nie dort hätten lassen könnnen. Also ich habe jetzt nicht zum brüllen angefangen, sondern einfach nur gewartet. Beim Anblick von Sofi und Joseph, dürfte ihr dann scheinbar wieder eingefallen sein, dass da ja was war und wir durften eintreten.
Diesmal waren alle Kinder, sind zurzeit 65, anwesend. Die Größeren und nicht behinderten waren aber unterwegs und sind erst später zum Essen gekommen. Das erste Mädchen was ich gesehen habe, war ein im Rollstuhl sitzendes, mit einem riesigen Wasserkopf, aber als sie mich gesehen hat, bekam ein freudestrahlendes Lächeln. Dann bin ich wieder durch die trostlosen, nur aus Stahlrohrbetten bestehenden Schlafsäle gegangen, echt erdrückend. In den nächsten Raum wurde ich dann von zwei wirklich ganz netten Schwestern, so wie man sich wirklich liebe Klosterschestern vorstellt, die mit Leib und Seele für diese Kinder da sind, geführt und ich war wieder beruhigt, denn die Oberin war echt der Hammer, die Unfreundlichkeit in Person.
Die Schwestern habe mich zu den Kleinsten geführt, ein Mädchen, die Kleine, die im Kübel steht und lacht, sie haben sie mit 7 Tage bekommen. Sie ist schwer krank, sie hat keine Brust und hat große Problem mit dem Atmen und kann die Hitze in ihrem Körper nicht regulieren, darum liebt sie es im Kübel mit Wasser zu sein. Ich muss dazu sagen, mein Englisch im medizinischen Bereich ist nicht wirklich gut, darum kann ich nur ungefehr sagen, was die kleine Maus hat. Laut der Schwester wird sie bald nach Bangalore gebracht, denn hier im CMC Spital kann man ihr nicht helfen und in Bangalore gibt es scheinbar eine Spezialklinik. Ein kleiner 3 Monate alter Bub wrude gerade von einer Schwester gefüttert, mit einem guten Brei, der ihm aber scheinbar nicht geschmeckt hat, denn so schnell wie er drinnen war, war er auch wieder draußen. Der Kleine ist ganz gesund und war ein Tag alt, als sie ihn bekommen haben. Er liegt zwar auch in so einem Stahlrohrbett, hat aber zumindest Babyspielzeug in seinem Bettchen. Ein zweites Mädchen habe ich auch noch gesehen, soll auch ganz gesund sein, die Kleine haben sie mit 3 Monaten bekommen.
Draußen am Gang sind alle anderen Kinder, die teilweise wirklich schwer behindert sind und nur liegen können, viele Spastiker und sonstige Behinderungen. Es ist halt alles ganz einfach, denn die Kinder liegen auf Decken auf dem Steinboden, obwohl jetzt wo es so heiß ist, ist es eh das angenehmste, aber sie haben alle nur ein Baumwollkleidchen an, Windeln oder so haben sie nicht an. Die sieben Schwestern und 7 Helferinen sind den ganzen Tag damit beschäftigt, dass sich keines der Kinder was tut, es sauber zu halten, damit nicht noch neue Krankheiten entstehen und die Kleinsten zu unterhalten.
Der für mich eigentlich unerträglichste Anblick war der kleine Bub – nur noch Haut und Knochen, er ist wie ein Gerippe dagelegen und wurde gerade von einer Helferin gefüttert, er hat Turbokolose und wird nicht mehr lange leben.
Und dazwischen immer wieder herumlaufende Kinder, die mich immer nur angelächelt haben.
Sofi konnte nicht zu den Kindern rein gehen, sie ist draußen geblieben.
Ich muss gestehen, dadurch, dass ich schon einmal dort war und weil ich mich darauf eingestellt hab, war es diesmal nicht so schlimm. Es war auch schön für mich zu sehen, mit welcher Hingabe die Schwester und Helferinen mit den Kindern umgehen, mit was für einer Liebe sich um die Kleinsten kümmern. Ich denke mir auch, ich bin jetzt 6 Monate hier in Indien, ich kenne die Einfachheit, mit der hier alles passiert, dass man einfach am Boden sitzt, mit Bananenblättern statt Tellern ißt und es aber deswegen kein bisschen schlechter ist. Darum finde ich den Ort jetzt vielleicht auch nicht mehr so schlimm, keine Frage, es ist alles ganz einfach, die Kinder haben nichts außer ihr Bett und ihr Essen, aber wenn ich bei Kollegen mit Kinder zu Besuch bin, gibt es auch kein Kinderzimmer mit einer tollen Spielecke, die Häuser haben meistens ein Schlafzimmer, ein Wohn- und Esszimmer, in dem man vielleicht ein paar Spielsachen findet und das wars. Ich glaube wir machen immer den Fehler, dass wir versuchen, von unserem Standard aus, die Dinge zu betrachten, der ist aber hier nirgens vorhanden und wenn man sich aus indischer Sicht das Kloster anschaut, dann ist es einfach ein Platz des Friedens. Die Kinder sind arm und schwer krank, keine Frage, aber sie haben ein Dach übern Kopf, was ja leider hier nicht so selbstverständlich ist.
Die Schwestern haben sie herzlichst für unsere Spenden bedankt, denn die Medikamente und Windeln usw. müssen sie alles selber bezahlen, einzig und allein der Arzt kommt gratis vom CMC um sich um die Kleinen zu kümmern.
Für mich ist hier in Indien das Leid, was man Tag täglich immer und überall sieht, wirkich fast unerträglich, aber das wird man hier leider überall finden. Auch wenn man hier in Vellore auf einen Bus wartet – neben einem in der Grünfläche zwei Männer liegen und schlafen, zwei verwahrloste Mütter mit ihren Kindern zu einem betteln kommen und man den Blick hebt und die Reklame für den Millionärsclub sieht.

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