Montag, 25. August 2008

Geschichten aus dem Alltag: Auroville


Die letzten beiden Wochenenden war ich in Pondycherry. Ist ein netter Ort am Meer, der früher eine französische Kolonie war und aus dieser Zeit noch einen schönen alten französischen Stadtteil besitzt. Hier kann man wirklich vergessen, dass man sich in Indien befindet. Man kann in kleinen Gassen, mit schönen Häusern im Kolonialstil spazieren gehen und dabei die Ruhe geniessen, denn es gibt kein gehupe. Aber das wirklich besondere daran ist, dass man keinen Dreck auf den Strassen findet und alles schön geordnet wirkt. Dafür sind die Strassen aber auch leer, denn die Inder leben in “ihrem“ Stadtteil und somit findet auch dort das Leben statt.
Pondycherry ist auch sehr bekannt für seinen Ashram, der vom Sir Aurobindo 1920 gegründet wurde und dann von Mira Alfassa, die auch die “Mother“ genannt wird, übernommen wurde.
Etwa 10 km außerhalb der Stadt liegt Auroville, die Modellstadt. Aber wenn ihr bis jetzt noch nichts davon gehört habts, keine Angst, ich auch nicht, bevor ich hier her kam.
Diese Stadt wurde 1968 von “der Mutter“ gegründet. Sie hat Auroville definiert, als einen Platz auf der Erde, den keine Nation als ihr alleiniges Eigentum beanspruchen kann und an dem alle Menschen, egal welchen Geschlechts und welcher Nation, in Harmonie und Frieden, ein, der spirituellen Vervollkommung, gewidmetes Leben, verbringen können. Ihr Ziel ist es, in dieser Stadt, das Ideal der Menschlichen Einheit zu verwirkichen. Bei der Eröffnungszeremonie 1968 waren 126 Staaten vertreten und auch jetzt wird das Projekt von der UNESCO usw. unterstützt, nur damit ihr sehts, dass diese Stadt was seriöses ist.
Im Moment leben ca. 2000 Menschen in Auroville. Nach dem Tod der Mutter hat die indische Regierung die Verantwortung dieser Stadt übernommen und bestimmt die Gremien für die Verwaltung, denn der ursprüngliche Wunsch der Mutter war, dass acht Aurovilianer die “intuitive Intelligenz“ sind und so eine Intuition intellegent zum Ausdruck bringen, denn nach ihrer Vorstellung liegt es näher an der Wahrheit als alles andere. Aber bis dato war es nicht möglich, eine Auswahlmöglichkeit für diese acht Aurovilianer zu finden, daher wird sie durch diese Gremien verwaltet.
Ihr ursprünglicher Wunsch war auch, dass Geld in Auroville keine Bedeutung hat, sondern nur für die äußere Welt verwendet werden soll, auch das ist bis dato noch nicht möglich. Die Ausbildung, die sportlichen Aktivitäten und das wohnen sind zwar gratis, die Lebensmittelkosten sind sehr niedrig, es gibt auch seit kurzem die Möglichkeit Gewand kostenlos zu bekommen, aber für die Stromrechnungen usw. müssen die Rechnungen bezahlt werden… ohne Geld geht es halt dann doch nicht!!!
Die Aurovilianer leisten ihre Arbeit auf freiwilliger Basis und bekommen dafür eine kleine Entschädigung, mit der sie aber nicht auskommen und so müssen sie noch was dazu verdienen, um sich ihr Leben in Auroville zu finanzieren.
Es gibt in der Stadt ein Kultur-, ein Ärzte- und ein Ausbildungszentrum, in dem vom Kindergarten bis zur Highschool alles untergebracht ist. In Auroville soll die Erziehung niemals enden und es soll ein Platz des immerwährenden Frotschrittes und einer Jugend, die niemals altert, sein, so hat es die Mutter nieder geschrieben. Es sollen auch neue Unterrichtsmethoden entwickelt werden, denn nach Ansicht der Mutter, sollen die Kinder lernen, dass sie auf ihre innere Stimme hören sollen, denn die Lehrer sollten keine Lehrmeister sein, sondern sollten mehr helfen und Anleitungen geben und den Kindern zeigen, wie sie sich Wissen aneignen können.
Wie gesagt momentan leben ca. 2000 Menschen in Auroville, von denen ca 40 % Inders sind und der Rest kommt aus Europa.
Das Zentrum von Auroville ist das Matrimandir. Das Gebäude hat die Form eines goldenen Balles. Es wird auch als die Seele genannt, soll das Symbol der unviversellen Mutter, deren Wirkung die Schöpfung ist, darstellen. Im inneren dieser Kugel befindet sich nur ein Raum, der Platz der Konzentration, der Bemühung sein Inneres zu finden. Für diesen Raum hatte die Mutter eine ganz genaue Vorstellung, die von einem französischen Architekten umgesetzt wurde. Das Matrimandir ist kein religiöser Ort, jede Art von Ritualen sind verboten, auch Blumen und Räucherstäbchen, es soll ein reiner Platz zur Mediation sein.
Dieses Wochenende konnte ich Matrimadir besuchen, denn es ist nicht so leicht eine Bewilligung zu bekommne, man muss sich zumindest zwei Tag vorher anmelden.
Ich kann nur sagen, dass wenn wenn man einmal diese goldene Kugel von aussen gesehen hat und von diesem Raum gehört hat, dann muss man einfach rein gehen, um seine Neugierde zu stillen, die ja bei mir, wie ihr alle wisst, fast gar nicht ausgeprägt ist. Und ich kann nur im nach hinein sagen, ist es wirkich faszinierend, es hat sich ausgezahlt.
Der Weg, der einem zum Eingang führt, geht einmal symbolisch hinuter, denn niemand erreicht gerade weg sein Ziel. Vorm Eingang muss man sich die Schuhe ausziehen, denn im inneren ist alles weiß, weißer Marmor an den Wänden und weißer Teppich am Boden. Man bekommt sogar weiße Socken, damit man auch wirklich nichts beschmutzt! Im inneren herscht eine absolute Ruhe. Der Weg zum Raum der Konzentration führt entlang der Kugel in Form einer freischwebenden Rampe, natürlich auch mit weißem Teppichbelag, man nähert sich langsam seinem Ziel.
Und dann betritt man sein Ziel, den Meditationsraum, alles ist weiß, man sieht nur 12 Säulen, welche die 12 Monate symbolisieren sollen und eine Kristallkugel, die sich genau in der Mitte des Raumes befindet, sie hat einen Durchmesser von 70 cm. Genau über ihr, wird ein Sonnenstrahl eingeleitet und dieser durchbohrt mit seiner goldenen Farbe den Kristall. Außen an der Kugel ist ein Spiegel angebracht, der mit der Sonne mitwandert und somit immer die optimal Einstrahlung gewährt. Bei schlechtem Wetter und am Abend hilft das elektrische Licht, genau diesen Effekt zu erzeugen. Der Raum hat kein Fenster,er ist voll klimatisiert und die Türen sind im geschlossenen Zustand nicht sichtbar, nur die 12 Säulen und die Kristallkugel, die von vier goldenen Sternen getragen wird.
Ich kann nur sagen, dieser Raum hat was, alles weiß, diese gigantische Kugel in der Mitte, die nur mit einem Sonnenstrahl beleuchtet wird, die absolute Ruhe… wirklich ein idealer Platz zum meditieren und auftanken; Die gesamte Architektur des Matrimandir ist faszinierend, eine gigantische Umsetzung eines Traumes.
Wenn man das erste Mal Matrimandir besucht, darf man nur 10 Min. drinnen bleiben, beim nächsten Mal dafür aber eine Stunde.
Als ich von Auroville gehört habe, war mein erster Gedanke, eine Hippiekomune… aber wenn man wirklich dort ist und sieht, wie alles gut organisiert ist, wiviele Projekte laufen, wie sie auch die indische Bevölkerung integrieren, weiß man, dass da eine gewisse Ernsthaftigkeit dahinter steckt, den Traum der Mutter zu verwirklichen. Uns ein franz. Architekt ins Matrimandir geführt, die Bevölkerung dieser Stadt ist also komplettt gemischt, vom reichen Doktor aus Italien bis zum Mittellosen Nachbardorfbewohner aus Indien.

Ja ja - auch das ist Indien, die Schaffung eines Platzes zur Verwirklichung des Ideal der menschlichen Einheit.

Montag, 18. August 2008

Geschichten aus dem Alltag: Palmblattbibliothek – Naadi Reader

Dieses Wochenende war wieder einmal ein Langes, denn am Freitag war der Independece day, somit hatte ich drei Tage frei.
Den Freitag habe ich in Chennai verbracht, um einen Mythos zu überprüfen und zwar den der Palmblattbibliothek.
Als ich vor zwei Jahren das erste Mal nach Indien gefahren bin, haben mir Freunde von der Existenz dieser Bibliotheken erzählt und damals schon, hatte ich die Idee, diese aufzusuchen, um zu schauen was passiert, aber die Zeit war zu knapp. Ich muss auch zur Erklärung dazu sagen, dass es nicht leicht ist, die richtige Adresse ausfindig zu machen, denn viele links, in den diversen Berichte, sind nicht richtig und wenn man die Inder fragt, bekommt man meistens die Antwort, ja ich habe schon von den Naadi Reader und den Palmblättern gehört, aber genaueres können sie dir nicht sagen. Aber jetzt nach 8 Monaten habe ich endlich über einen Kollegen, die Informationen bekommen, wo ich in Chennai so ein Archiv finden kann.
Also der Mythos hinter den Palmblättern sagt, dass gewisse Rishis vor ca. 2000 Jahren in einer tiefen Meditation, die “Geschichte“ von diversen Leuten niedergeschrieben haben, um genauer zu sagen, von Alldenen, die zu diesem Ort kommen und danach fragen werden. Die Geschichte bedeutet, dass man einige Informationen über die Vergangenheit erzählt bekommt, auch über die früheren Leben, wenn man will und dann auch über die Zukunft, die mit Morgen anfängt, denn im Blatt steht geschrieben, wann man kommmen wird. Sie haben also schon vor 2000 Jahren gewusst, dass ich, Kathi K, im Jahre 2008 dort hinkommen und nach meinem Blatt fragen werde. Die weitere Information die ich bekommen habe, war das ca. vor 300 Jahren auf Grund der Zersetzung der Blätter, alle kopiert wurden.
Ein Professor von VIT hat mich an diesen Ort gebracht, liegt in einem Randbezirk Von Chennai, ein kleines Häuschen wo all diese Blätter verwahrt werden.
Als ich hingekommen bin, wurden mir keine Fragen gestellt, ich musste nur den Fingerabdruck von meinem linken Daumen hergeben. Sie haben mir noch erklärt, dass sie mir nicht sagen können, wie lange ich zu warten haben und das es auch sein kann, dass sie mein Blatt nicht finden können. Also alleine mit meinem Fingerabdruck haben sie sich auf die Suche gemacht…
Na ja und dann hat es geheißen warten, lange warten, denn ich bin um 9:30 hingekommen und bis 12:30 ist nichts passiert. Ich habe mir selber die Frist gesetzt, dass ich nicht länger als bis eins warten werde, denn ich wollte ja nur wissen, ob dieser Mythos wirklich stimmt oder nicht und bin ja nicht ernsthaft an meiner Zukunt, wie die ca. 30 um mich herum sitzenden Inder, interessiert. Denn wie euch schon einmal geschrieben habe, ist zwar für die Inder, die Kaste, in die man hinein geboren wird, sehr ausschlaggebend für den Lebensablauf, aber fast noch wichtiger ist, was die Astrologen und die Sterne sagen. Für jedes Neugeborenes wird ein Horoskop angelegt und fast jeder Inder besitzt ein richtiges Horoskopbuch. Wenn wichtige Entscheidungen zu treffen sind, egal ob im privaten oder im beruflichen Bereich, wird der Astrologe befragt und ganz besonders wichtig ist er bei der Bräutigam- oder Brautsuche, ohne Überprüfung der Horoskope, ob die beiden Personen zusammen passen, darf nicht geheiratet werden. Zwei Reihen vor mir ist ein Vater gesessen, der ca. 20 so Horoskope in der Hand gehabt hat und hat diese durch die Astrologen überprüfen lassen, wer der beste Partner ist.
Um ca. 12:30 habe sie mir dann erklärt, dass sei mein Blatt gefunden haben, dass ich nur noch kurz warten müsste. Na ja und dann hat das Unglaublich angefangen. Man sitzt einem Naadi Reader gegenüber und der öffnet ein Sammlung von Palmblättern, sind ca. 20 cm lang und 3 cm breit, diese Blätter liegen auf einander, ca 50 pro Batch und sind oben und unten mit einer Holzplatte gebunden. Der Reader beginnt in Tamil den Inhalt des Blattes vorzulesen und übersetzt es mir dann ins Englishe und ich muss es bestätigen oder widersprechen, ich habe aber wirklich immer nur mit ja und nein geantwortet. So wird versucht aus der Sammlung mein persönliches Palmblatt ausfindig zu machen, denn mit meinem Fingerabdruck, haben sie irgendwie eine Eingrenzgung machen können, keine Ahnung wie, sie konnten es mir nicht erklären, hat aber irgendwas mit den Horoskopen zu tun. Er liest Inhalte wie, dein Vater heißt Henry usw. vor. Es geht ziemlich lange so, unglaubliche Sachen, wie dein Onkel sitzt im Gefängnis, werden vorgelesen, aber im ersten Batch war nicht mein Blatt, darum musste ich wieder warten, damit er eine neue Sammlung hollen konnte, die wie gesagt nur auf Grund meines Fingerabruckes heraus gesucht wird. Als er wieder erschien, hat er das lesen fortgesetzt und ca. in der Mitte war dann auf einmal die Tatsache, geboren am 30. Oktober, ja … im Jahr 1975 geboren, ja… sie heißen Katharina, ja… ihr Vater heißt Josef, ja… sie sind die Erstgeborene, ja… ihr Bruder studiert, ja… ihre Mutter heißt Christina, ja… ihre Schwester ist verheiratet, ja… sie haben nur eine Schwester und einen Burder, ja… sie sind Bauingenieurin, ja… sie unterrichten gerade, ja… das waren die Punkte, mit denen er mein Blatt indentifiziert hat, unglaublich, oder ?! Ich muss aber zu Erklärung sagen, dass ich die Erstgeborene, einen Bruder, eine Schwester, Bauingenieurin und gerade unterrichte, diese Informationen kann er sich auch auf Grund der vorherigen Blätter und meiner ja / nein Antworten rein interpretiert haben. Er hat mich auch oft nach der Silbenanzahl in den Namen meiner Mutter und in meinem gefragt, somit wenn er das Lesen der Gedanken beherscht, kann er auch so die Information bekommen haben… ok ich höre eh schon auf, alles erklären zu wollen, aber ich bin halt eine Technikerin…
Nach dem mein Blatt gefunden war, hat es wieder warten geheißen, denn jetzt müssen sie das Blatt lesen und übersezten und niederschreiben, denn das Tamil in dem das Blatt geschrieben ist, ist ein ganz spezielles und nur wenige Menschen sind fähig es zu lesen. Am Abend um sechs war es dann soweit, dass mich ein anderer Naadireader aufgerufen hat, damit er mir mein Blatt vorlesen kann.
Die Lesung war dann rein auf meine Zukunft bezogen, sie haben mir keine weiteren Details über meine Vergangeneheit erzählt und haben mir erklärt, dass gerade irgendein Planet in einer schlechent Position steht und darum eine schlechte Zeit kommen wird, wenn ich aber auf meinen Frieden schaue und brav bin, spende für armen Menschen und auch in die Tempeln gehe, dann werden all diese schlechte Dingen nicht passieren und ich werde glücklich… auch wenn ich etwas über vierzg bin, kommt wieder so einen schlechte Phase, auch hier muss ich wieder brav und Spendenfreudig sein, dann wird nichts davon eintreten und nur Gutes wird passieren… ja so ist das bis 80 gegangen, dass wenn ich brav usw. bin, glücklich mit meinen Enkelkindern sein werde!!! Ich muss euch, glaube ich, nicht sagen, was ich davon halte, nichts, denn das kann ich auch vorhersagen, dass wenn du böse und schlecht bist, dass du keine schöne Zukunft haben wirst…

Im Endeffekt kann ich nur sagen, es hat schon etwas mystisches, dass sie mir die Namen meiner Eltern, meinen Namen und meinen Geburtstag nur auf Grund meines Fingerabdruckes sagen konnten, aber alles Andere, war für mich nur ein Geschichten erzählen.

Samstag, 2. August 2008

Geschichten aus dem Alltag: Delhi - Jaipur - Ghaziabad


So endlich komme ich dazu, euch über den weiteren Verlaufes meines Urlaubes zu berichten:
Nach Dharmasala hat mich mein lieber Burder für drei Wochen besucht und wir sind gemeinsam im nord-östlichen Indien herum gereist.
Um den Aufenthalt für meinen Bruder in Indien, so spannend und abwechslungsreich zu gestalten, habe ich keine Kosten und Mühen gescheut, um ihm alles, was nur irgendwie geht, präsentieren zu können. Daher habe ich gleich einmal für seine Ankuft die dreihundert Jahresfeier des Sikh’s Tempel in Delhi organisiert. Dadurch konnte er sofort die liebenswerte Art dieser Menschen kennen lernen, denn ihr müsst euch vorstellen, dass sie einen Umzug durch diverse Stadtteile Delhi’s organisiert haben und das besondere dabei war, dass sie überall Essensstände aufgebaut, in riesigen Töpfen gekocht und dann das Essen an Alle ausgeteilt haben. Es hat wirklich jeder was bekommen, ganz egal welche Religion oder Abstammung, so wie es ihr Glaube ihnen vorgibt, alle sind gleich.
Nach zwei Tagen Delhi, in denen Jakob sich ein bisschen an den indischen Lärm, denn das gehupe ist wirklich ein ständiger Wegbegeleiter, aber auch an das gewurl, man ist hier nie alleine, nicht so wie ihr jetzt denkt, ja vielleicht auch so, denn sonst würde man wahrscheinlich nicht ein Jahr nach Indien gehen, aber ich habe es im wahrsten Sinn des Wortes gemeint und an die Gerüche, die ich aus sicherheitsgründen jetzt nicht näher beschreiben möchte, gewöhnen konnte. Delhi ist wirklich eine Stadt die alles bietet, eine komplett neue U Bahn, die so sauber ist, dass man kurzfristig denken kann, man befindet sich in Singapur, aber dann auch wieder die schönen alten Märkte, der Gewürzmarkt ist ein unbedingtes Erlebnis, ich könnte mich an solchen Plätzen stundenlang aufhalten und einfach nur das Geschehen beobachten, ist einfach faszinierend, denn nirgens kann man so viel über eine Stadt lernen wie auf den Märkten. Architektonisch hat Delhi auch viel zu bieten, ein wunderschönes altes Fort, die größte Moschee Indiens, aber auch viele moderne Gebäude, wie zum Beispiel den Lotustempel. Ist ein ganz spezieller Platz in dieser Weltstadt, denn in diesem Tempel ist absolutes Sprechverbot, eine wirkliche Herausforderung für die Inder und in Mitten einer wunderschönen Parkanlage erhebt sich eine riesige Lotusblüte, strahlt wirlich ganz was eigenes aus.
Ihr könnt Alles in meinem Webalbum
http://picasaweb.google.de/kathik.india sehen.
Nach Delhi sind Jenny, Jakob und ich mit dem Zug weiter nach Jaipur. Dort haben wir wirklich in einem total genialen Hotel gewohnt, Pearl Palace, dass eigentlich immer zu gemütlich war, sodass wir immer zu lange auf der Terasse unser Frühstück genossen haben, mit frisch importierte Maramelade aus Österreich. Die Stadt, mit dem alten Stadtteil, der die pink city genannt wird, hat was gmiatliches, oder besser gesagt, was liebenswertes, man mag die Stadt irgendwie gleich von Anfang an. In Jaipur wird einem auch sicher nicht fad, erstens gibt es genügend Sehenswürdigkeiten, vom Fort Amber, über den Citypalace, den man leider nur von aussen sehen kann, denn wenn man die Wohnräume besuchen will, muss man den Geldbeutel des dort lebenden Maharajas mit 5.000 Rps (30 Eur) auffüllen. Ich hab eh versucht, so an ihn ranzukommen, aber leider ist es mir nicht gelungen, wieder nix mit einem reichen Maharaja!!! Faszinierend ist auch das Observatorium Jantar Mantar, mit den riesigen Sonnenuhren, teilweise sind sie funktionstüchtig, aber auf Grund ihrer Größe sind sie nicht exakt, aber um das geht es auch gar nicht, ist einfach schön zu sehen. Am zweiten Tag waren wir bei einer Studentin von mir zum Mittagessen eingeladen, habe die gute Jaipur-Mamaküche genossen, nur damit ihr euch vorstellen könnts, wie wir hier behandelt wurden, extra für uns, ist der Vater von Pryia aus dem anderen Stadtteil gekommen, um uns hallo zu sagen. Würde bei uns kein Mensch machen!!!
Am Abend sind wir, nur noch Jakob und ich, denn Jenny wollte ja unbedingt wieder nach Hause, ;-) mit Vinav, auch ein Student, fort gegangen, in ein super Nobelrestaurant, in dem man genial Sheesha rauchen kann, darum heißt es auch so. Nach den beiden Treffen konnte man so richig gut verlgeichen, wer aus welcher Familie kommt und wie reich diese ist, denn Pryia kennt dieses Lokal wahrscheinlich nicht einmal, ja Indien das Land der tausend Gegensätze.
Eigentlich wäre der Plan gewesen, am nächsten Tag mit dem Zug nach Agra zu fahren, aber dadruch, dass ich für mein Brüderchen alles organisiert habe, hat es eine Strassen und Zug-blockade gegeben und es war uns nicht möglich weiter zu reisen. So sind wir halt noch einen Tag länger in Jaipur geblieben und haben uns eine alte Tempelstadt, die von den Indern, monkeytempel, genannt wird, angeschaut. War urschön dort, denn wir waren die einzigen Touristen und haben es so wirkich geniessen können, zwischen die alten Gebäude und den Affen herum zu spazieren.
Danach sind wir wieder zurück nach Delhi, haben dort Vivek getroffen und sind gemeinsam zu ihm nach Hause, nach Ghaziabad, gefahren. Ich möchte euch nur kurz diesen Nachmittag beschreiben, denn es war wirlich ein Erlebnis anderer Art. Also Vivek kennts ihr ja schon vielen Fotos und Berichten, ist ein guter Freund von mir. Wir wurden von ihm und seinem Onkel vom Bahnhof abgeholt und sind dann einmal in dessen Haus gefahren, sind mit einem gutem lunch versorgt worden und danach sind Jakob und ich, ins klimatisierte Schlafzimmer geschickt worden, damit wir uns ausruhen können. Wirklich, als erstens haben wir nicht gewusst was wir tun sollen, denn wir wollten ihnen klarmachen, dass wir nicht müde sind und nicht schlafen wollen, aber das ist uns nicht gelungen, denn für die Inder ist schlafen eine der Lieblingsbeschäftigungen, darum ist kein Verständnis für unseren Widerspruch aufgekommen und wir haben halt zwei Stunden in dem Zimmer verbracht, ok ich gebe es zu, ich bin auch eingeschlafen. Danach sind wir zu Vivek’s Elternhaus gefahren und haben einmal seine Eltern und seine Schwestern kennen gelernt, sind mit einem Tee und Snacks bewirtet worden. Und jetzt kommts, danach haben wir in ungefähr vier Stunden, seine ganze Familie, ca. 65 Leute, kennen gelernt, sind von Haus zu Haus maschiert, haben natürlich überall was trinken und essen müssen, war echt der Hammer und dann wieder zurück ins Elternhaus und Abendessen … Ihr hättet meinen Bruder sehen sollen, der hat am Schluss wirklich nicht mehr können, nein im Ernst, es war wirkich einmal was ganz anderes, so viele Mensche in der kurzen Zeit kennen zu lernen, überall die gleichen Fragen, where are you from? how do you like India? do you like the food? it’s not to spicy? zu beantworten… aber auch wieder urschön zu sehen, dass die ganze Familie, so nah bei einander wohnt und jeder jedem helfen kann. Vivek’s Familie ist eine Landwirtfamilie, sein Vater arbeitet nicht mehr und hat daher das Land verpachtet, denn verkaufen mag er es nicht, weil es Familienbesitz ist und es auch bleiben soll, obwohl ihm schon Unsummen angeboten wurden, denn Ghaziabad liegt mit dem Auto ca. nur eine halbe Stunde von Delhi entfernt. Seine Familie ist ziemlich religiös und traditionell, dass kann man im Verhalten untereinader, aber speziell bei den Frauen erkennen, denn sie tragen alle ihren Schal oder das Ende vom Saree über den Kopf und wenn sie einem älteren Mann, ganz im speziellen, ihrem Schwiegervater, begegnen, verdecken sie ihr Gesicht damit. War für mich neu zu sehen, denn hier im Süden, gibt es diese Respekthaltung bei den Hindufrauen nicht. Am nächsten Morgen ist Shirish angekommen und wir haben einen Tag am Land genossen, haben eine Ausfahrt mit dem Bullenwagen, an Stelle des Pferdes wir ein Wasserbüffel eingespannt, gemacht, war urlustig, denn diese Viecher können ziemlich schnell rennen, haben Zuckerohr ausgezuzelt, haben uns dann noch zum Abschluß, den größten Hindutempel, Akshardham Tempel, steht im Guiness Buch, angeschaut. Am Abend waren wir noch bei einer befreundeten Familie eingeladen, denn wir haben bis dahin ja noch zu wenig Leute kennen gelernt und dann hat es auch schon wieder geheißen: weiter geht’s, nach Lucknow, ist der Heimatort von Shirish.
Wirklich schön war in den beiden Tagen zu spüren, dass Jakob und ich sofort Familienmitglieder, sofort in der Familienbande involviert waren. Das hat man auch am Abend beim schlafen gemerkt, denn wir haben kein eigenes Zimmer bekommen, nur zur Erklärung, es ist für die Inder nicht so wichtig, dass jeder seinen eigenen Schlafraum hat, das wird hier alles ganz unproblematisch gesehen, am Abend werden einfach Bettgestelle aus Bambus in das Wohnzimmer gestellt, Decke drüber und gute Nacht. Wir haben im Wohnzimmer gemeinsam mit Vivek und dessen Vater geschlafen. Was auch noch interssant ist, die Inder schlafen alle mit ihrem kompletten Gewand, also die Frauen in ihrem Salwa (ist die Kombination langes Oberteil mit Hose) oder im Saree und die Männer mit ihrem Doti (ist das Tuch, dass sie wie einen Wickelrock tragen). Bitte fragt mich jetzt nicht über ihre Liebesaktivitäten aus, denn ich weiß es nicht, wahrscheinlich wird das irgendwo ganz heimlich und wirklich nur zum Kinderzeugen gemacht, so gschamig wie die alle sind!