Samstag, 2. August 2008

Geschichten aus dem Alltag: Delhi - Jaipur - Ghaziabad


So endlich komme ich dazu, euch über den weiteren Verlaufes meines Urlaubes zu berichten:
Nach Dharmasala hat mich mein lieber Burder für drei Wochen besucht und wir sind gemeinsam im nord-östlichen Indien herum gereist.
Um den Aufenthalt für meinen Bruder in Indien, so spannend und abwechslungsreich zu gestalten, habe ich keine Kosten und Mühen gescheut, um ihm alles, was nur irgendwie geht, präsentieren zu können. Daher habe ich gleich einmal für seine Ankuft die dreihundert Jahresfeier des Sikh’s Tempel in Delhi organisiert. Dadurch konnte er sofort die liebenswerte Art dieser Menschen kennen lernen, denn ihr müsst euch vorstellen, dass sie einen Umzug durch diverse Stadtteile Delhi’s organisiert haben und das besondere dabei war, dass sie überall Essensstände aufgebaut, in riesigen Töpfen gekocht und dann das Essen an Alle ausgeteilt haben. Es hat wirklich jeder was bekommen, ganz egal welche Religion oder Abstammung, so wie es ihr Glaube ihnen vorgibt, alle sind gleich.
Nach zwei Tagen Delhi, in denen Jakob sich ein bisschen an den indischen Lärm, denn das gehupe ist wirklich ein ständiger Wegbegeleiter, aber auch an das gewurl, man ist hier nie alleine, nicht so wie ihr jetzt denkt, ja vielleicht auch so, denn sonst würde man wahrscheinlich nicht ein Jahr nach Indien gehen, aber ich habe es im wahrsten Sinn des Wortes gemeint und an die Gerüche, die ich aus sicherheitsgründen jetzt nicht näher beschreiben möchte, gewöhnen konnte. Delhi ist wirklich eine Stadt die alles bietet, eine komplett neue U Bahn, die so sauber ist, dass man kurzfristig denken kann, man befindet sich in Singapur, aber dann auch wieder die schönen alten Märkte, der Gewürzmarkt ist ein unbedingtes Erlebnis, ich könnte mich an solchen Plätzen stundenlang aufhalten und einfach nur das Geschehen beobachten, ist einfach faszinierend, denn nirgens kann man so viel über eine Stadt lernen wie auf den Märkten. Architektonisch hat Delhi auch viel zu bieten, ein wunderschönes altes Fort, die größte Moschee Indiens, aber auch viele moderne Gebäude, wie zum Beispiel den Lotustempel. Ist ein ganz spezieller Platz in dieser Weltstadt, denn in diesem Tempel ist absolutes Sprechverbot, eine wirkliche Herausforderung für die Inder und in Mitten einer wunderschönen Parkanlage erhebt sich eine riesige Lotusblüte, strahlt wirlich ganz was eigenes aus.
Ihr könnt Alles in meinem Webalbum
http://picasaweb.google.de/kathik.india sehen.
Nach Delhi sind Jenny, Jakob und ich mit dem Zug weiter nach Jaipur. Dort haben wir wirklich in einem total genialen Hotel gewohnt, Pearl Palace, dass eigentlich immer zu gemütlich war, sodass wir immer zu lange auf der Terasse unser Frühstück genossen haben, mit frisch importierte Maramelade aus Österreich. Die Stadt, mit dem alten Stadtteil, der die pink city genannt wird, hat was gmiatliches, oder besser gesagt, was liebenswertes, man mag die Stadt irgendwie gleich von Anfang an. In Jaipur wird einem auch sicher nicht fad, erstens gibt es genügend Sehenswürdigkeiten, vom Fort Amber, über den Citypalace, den man leider nur von aussen sehen kann, denn wenn man die Wohnräume besuchen will, muss man den Geldbeutel des dort lebenden Maharajas mit 5.000 Rps (30 Eur) auffüllen. Ich hab eh versucht, so an ihn ranzukommen, aber leider ist es mir nicht gelungen, wieder nix mit einem reichen Maharaja!!! Faszinierend ist auch das Observatorium Jantar Mantar, mit den riesigen Sonnenuhren, teilweise sind sie funktionstüchtig, aber auf Grund ihrer Größe sind sie nicht exakt, aber um das geht es auch gar nicht, ist einfach schön zu sehen. Am zweiten Tag waren wir bei einer Studentin von mir zum Mittagessen eingeladen, habe die gute Jaipur-Mamaküche genossen, nur damit ihr euch vorstellen könnts, wie wir hier behandelt wurden, extra für uns, ist der Vater von Pryia aus dem anderen Stadtteil gekommen, um uns hallo zu sagen. Würde bei uns kein Mensch machen!!!
Am Abend sind wir, nur noch Jakob und ich, denn Jenny wollte ja unbedingt wieder nach Hause, ;-) mit Vinav, auch ein Student, fort gegangen, in ein super Nobelrestaurant, in dem man genial Sheesha rauchen kann, darum heißt es auch so. Nach den beiden Treffen konnte man so richig gut verlgeichen, wer aus welcher Familie kommt und wie reich diese ist, denn Pryia kennt dieses Lokal wahrscheinlich nicht einmal, ja Indien das Land der tausend Gegensätze.
Eigentlich wäre der Plan gewesen, am nächsten Tag mit dem Zug nach Agra zu fahren, aber dadruch, dass ich für mein Brüderchen alles organisiert habe, hat es eine Strassen und Zug-blockade gegeben und es war uns nicht möglich weiter zu reisen. So sind wir halt noch einen Tag länger in Jaipur geblieben und haben uns eine alte Tempelstadt, die von den Indern, monkeytempel, genannt wird, angeschaut. War urschön dort, denn wir waren die einzigen Touristen und haben es so wirkich geniessen können, zwischen die alten Gebäude und den Affen herum zu spazieren.
Danach sind wir wieder zurück nach Delhi, haben dort Vivek getroffen und sind gemeinsam zu ihm nach Hause, nach Ghaziabad, gefahren. Ich möchte euch nur kurz diesen Nachmittag beschreiben, denn es war wirlich ein Erlebnis anderer Art. Also Vivek kennts ihr ja schon vielen Fotos und Berichten, ist ein guter Freund von mir. Wir wurden von ihm und seinem Onkel vom Bahnhof abgeholt und sind dann einmal in dessen Haus gefahren, sind mit einem gutem lunch versorgt worden und danach sind Jakob und ich, ins klimatisierte Schlafzimmer geschickt worden, damit wir uns ausruhen können. Wirklich, als erstens haben wir nicht gewusst was wir tun sollen, denn wir wollten ihnen klarmachen, dass wir nicht müde sind und nicht schlafen wollen, aber das ist uns nicht gelungen, denn für die Inder ist schlafen eine der Lieblingsbeschäftigungen, darum ist kein Verständnis für unseren Widerspruch aufgekommen und wir haben halt zwei Stunden in dem Zimmer verbracht, ok ich gebe es zu, ich bin auch eingeschlafen. Danach sind wir zu Vivek’s Elternhaus gefahren und haben einmal seine Eltern und seine Schwestern kennen gelernt, sind mit einem Tee und Snacks bewirtet worden. Und jetzt kommts, danach haben wir in ungefähr vier Stunden, seine ganze Familie, ca. 65 Leute, kennen gelernt, sind von Haus zu Haus maschiert, haben natürlich überall was trinken und essen müssen, war echt der Hammer und dann wieder zurück ins Elternhaus und Abendessen … Ihr hättet meinen Bruder sehen sollen, der hat am Schluss wirklich nicht mehr können, nein im Ernst, es war wirkich einmal was ganz anderes, so viele Mensche in der kurzen Zeit kennen zu lernen, überall die gleichen Fragen, where are you from? how do you like India? do you like the food? it’s not to spicy? zu beantworten… aber auch wieder urschön zu sehen, dass die ganze Familie, so nah bei einander wohnt und jeder jedem helfen kann. Vivek’s Familie ist eine Landwirtfamilie, sein Vater arbeitet nicht mehr und hat daher das Land verpachtet, denn verkaufen mag er es nicht, weil es Familienbesitz ist und es auch bleiben soll, obwohl ihm schon Unsummen angeboten wurden, denn Ghaziabad liegt mit dem Auto ca. nur eine halbe Stunde von Delhi entfernt. Seine Familie ist ziemlich religiös und traditionell, dass kann man im Verhalten untereinader, aber speziell bei den Frauen erkennen, denn sie tragen alle ihren Schal oder das Ende vom Saree über den Kopf und wenn sie einem älteren Mann, ganz im speziellen, ihrem Schwiegervater, begegnen, verdecken sie ihr Gesicht damit. War für mich neu zu sehen, denn hier im Süden, gibt es diese Respekthaltung bei den Hindufrauen nicht. Am nächsten Morgen ist Shirish angekommen und wir haben einen Tag am Land genossen, haben eine Ausfahrt mit dem Bullenwagen, an Stelle des Pferdes wir ein Wasserbüffel eingespannt, gemacht, war urlustig, denn diese Viecher können ziemlich schnell rennen, haben Zuckerohr ausgezuzelt, haben uns dann noch zum Abschluß, den größten Hindutempel, Akshardham Tempel, steht im Guiness Buch, angeschaut. Am Abend waren wir noch bei einer befreundeten Familie eingeladen, denn wir haben bis dahin ja noch zu wenig Leute kennen gelernt und dann hat es auch schon wieder geheißen: weiter geht’s, nach Lucknow, ist der Heimatort von Shirish.
Wirklich schön war in den beiden Tagen zu spüren, dass Jakob und ich sofort Familienmitglieder, sofort in der Familienbande involviert waren. Das hat man auch am Abend beim schlafen gemerkt, denn wir haben kein eigenes Zimmer bekommen, nur zur Erklärung, es ist für die Inder nicht so wichtig, dass jeder seinen eigenen Schlafraum hat, das wird hier alles ganz unproblematisch gesehen, am Abend werden einfach Bettgestelle aus Bambus in das Wohnzimmer gestellt, Decke drüber und gute Nacht. Wir haben im Wohnzimmer gemeinsam mit Vivek und dessen Vater geschlafen. Was auch noch interssant ist, die Inder schlafen alle mit ihrem kompletten Gewand, also die Frauen in ihrem Salwa (ist die Kombination langes Oberteil mit Hose) oder im Saree und die Männer mit ihrem Doti (ist das Tuch, dass sie wie einen Wickelrock tragen). Bitte fragt mich jetzt nicht über ihre Liebesaktivitäten aus, denn ich weiß es nicht, wahrscheinlich wird das irgendwo ganz heimlich und wirklich nur zum Kinderzeugen gemacht, so gschamig wie die alle sind!

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