Montag, 31. Dezember 2007

Silvester

ein schönes neues Jahr, mal zu erst!!!
Ja Silvester war auch ein Erlebnis der anderen Art.
Am Sonntag sind wir, Sophie, Anne und ich durch ganz Vellore gefahren um ein Lokal zu finden was länger als 22:30 offen hat, denn das ist hier wirklich nicht einfach. Also endlich konnten wir dann das Hotel Baby Residenzi ausfindig machen, indem sogar ein Rahmenprogramm mit Dinner - Bufette angeboten haben, um sage und schreibe 4 EUR.
Am nächsten Tag sind wir, total nett heraus geputzt und mit großer Freude auf das Fest, am Abend zu sechst gestartet.
Im Baby Residenzi angekommen, sind wir auf die Dachterrasse und kamen gleich mitten ins Geschehen, denn die Veranstaltung war schon im Gange. Ja das Rahmenprogramm hat sich dann als passend zum Namen des Hotels heraus gestellt, denn es war eigentlich für Kinder ... Zwischendurch hat die Moderatorin immer wieder Leute zum tanzen auf die Bühne geholt und dabei hat sie auch nicht auf uns vergessen, war total witzig, denn wir haben angefangen zu tanzen und dann hat der DJ einfach die Musik abgedreht, so uups, ich habe mich verdrückt.
Das Essen war ein Traum, viel Fisch, Reis, Paratha, usw. und das erste Mal wirklich scharf.
Nach dem Essen haben wir uns einfach in den hinteren Bereich zurück gezogen und unsere eigene Gaudi gemacht. Ein kleines Detail am Rande, ist gab natürlich keinen Alkohol.
Als Mitternacht immer näher rückte haben wir uns noch schnell Becher mit Kaffee und Tee organisiert, damit wir zumindest anstoßen konnten.
Um Mitternacht, wurde nur kurz das Licht ab- und aufgedreht und ja... danach sind die Leute gegangen, kein Countdown zählen, keine Musik zum tanzen und auch kein Gegenseitiges Beglückwünschen.
Wir waren auf Grund der Beglückwünscherei die Letzten. Aber bitte ich darf ja nicht sagen, dass gar nichts war, denn es wurden schon ein paar Raketen auf der anderen Seite der Stadt abgeschossen.
Bei der Heimfahrt haben wir die ganzen Inder, die zu den Tempeln gepilgert sind, sehen können, dass ist nämlich ihre Tradition um Mitternacht zu einem Tempel zu gehen, denn die religiöse Seite überwiegt einfach, sie sind nicht so vergnügungssüchtig wie wir.
Als ich ins Hostel zurück gekommen bin, waren noch ein paar Mädchen wach, die Alle in ihren Zimmern gefeiert haben, gefeiert ist vielleicht übertrieben, denn sie haben sich irgendwelche Filme angeschaut.
Im VIT wurde auch für alle ein Film im großen Auditorium als Silvesterspecial angeboten, wobei die Mädchen nach Ende des Filmes mit dem Bus ins Hostel gebracht wurden, damit ja nichts passiert, oder was weiß ich warum.
Am 1. Jänner ist es hier Tradition einen Kuchen zu essen, dass machen sie überhaupt zu jedem Fest und wieder in den Tempel bzw. in die Kirche zu gehen. Ich wurde gleich gerügt, weil ich nicht in die Kirche gegangen bin, ich habe aber auch bis jetzt nicht gewusst, dass der 1. Jänner ein spezielles Fest für Maria ist, 8 Tage nach Geburt Jesus,aber ich gebe ja zu, dass ich mich in diesen Dingen noch nie gut ausgekannt habe!!!
Ja das war mein Silvester. Ich sag nur Indien ist anders :-)

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Weihnachten

Also mal gleich vorweg, Weihnachten hier so ohne Familie und Freunde zu verbringen war nicht schlimm, denn wenn ich keinen Kalender gehabt hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen das Weihnachten ist. In Mysore hat man zwar die Kirchen mit Lichtern geschmückt gesehen, viele haben uns am 25’igsten Merry Christmas gewunschen, aber wenn man sie gefragt hat, was das bedeutet, was dahinter steht, hat keine die Frage beantworten können, sie wissen es einfach nicht.
Es war für mich ein schöner Tag, wie jeder anderer.
Ich war wie gesagt das Wochenende in Mysore und Umgebung, mit Anne und Roopa. Die ersten drei Nächte haben wir bei ihrem Onkel, der etwas außerhalb von Mysore, in einem kleinen Dorf wohnt und der Hauptpriester des Dorf-Hinditempels ist. Die Familie wohnt in einem ganz neuen Haus, alles verfliest, ziemlich kahl eingerichtet, nur das notwendigste vorhanden, wie zum Beispiel, es haben nur die Tante und der Onkel in einem Bett geschlafen, wir haben auf einer Matte am Boden geschlafen, wie auch die Tochter und die Oma von Roopa, die auch gerade zu Besuch war. Das Essen nimmt man in Indien sitzend am Boden ein, somit spart man sich auch Tisch und Sesseln, alles sehr praktisch durchdacht, denn Besteck brauchen die auch nicht, also ein Ikea in Indien hätte wirklich Pech! Also wenn ich so darüber nachdenke, werde ich einfach den Tisch und den Sessel aus meiner Wohnung entfernen, dann habe ich auch für mehr Leute Platz und muss nicht die Wand entfernen, nein war nur ein Spaß, ihr könnt, wenn ihr zu mir kommt, weiterhin bei Tisch und auf Sesseln euer Essen zu euch einnehmen. Das Essen am Boden ist aber sehr gewöhnungsbedürftig, denn der Teller steht vor einem am Boden, man sitzt dahinter im Türkensitz und ist dann einmal damit beschäftigt, aus dem Reis kleine Bällchen zu formen, damit man dann diese in den Mund schieben kann, für mich war das wirklich unangenehme, dass der Bauch ziemlich zusammen gedrückt ist, hat aber wieder den Vorteil, dass man nicht so viel essen kann.( übrigens Kathi habe drei Rezepte mitgenommen !!!) Am Samstag haben wir uns für den ganzen Tag ein Auto genommen und sind die ganze Umgebung abgefahren, war echt schön, alleine nur einfach am Land zu sein und in keiner Stadt, die ganze Flüsse mit dem grün und auch das etwas ruhigere Landleben zu erleben hat gut getan. Am Sonntag waren wir in Mysore selber und sind am Abend kurzfristig mitten in einem Märchen eingetaucht, denn da wird der Palast für eine Stunde beleuchtet, wirklich der Traum, man glaubt man ist in einer anderen Welt, wenn man hinkommt und es zum ersten Mal sieht, werden die Augen genauso groß, wie bei den Kindern, wenn sie den Christbaum mit den ganzen Kerzen sehen.
Am Montag sind wir raus zum Kloster von Sister Hillary gefahren und haben dort den Tag verbracht. Es war wirklich der passende Ort, denn Weihnachten ist ja das Fest der Liebe und wenn man diesen Platz erleben darf, und erlebt mit welcher Hingabe die Schwestern sich um die Obdachlosen, die teilweise auch geistig behindert sind, unter anderem auch den Urin nicht halten können, kümmern, weiß man was das bedeutet. Zu meiner großen Freude hat das Spital jetzt einen Arzt und ist in Betrieb, sie haben auch Medikamente und können sich wirklich um die Patienten kümmern, ihr könnt euch sicher noch an meine Erzählungen vom letzten Jahr erinnern, wo ich Hilde besucht habe und wir Ostern dort gefeiert haben. Das einzige was fehlt ist das Geld, denn die Patienten haben keines und bekommen somit die Erstversorgung gratis und müssen dann wieder gehen, zu eurer Information, in öffentlichen Spitälern werden sie weggeschickt, wenn sie nicht zahlen können.
ICH SOLL EUCH ALLEN EIN GANZ GROSSES DANKESCHÖN von Sister Hillary ausrichten, denn ich habe ihr 100 EUR aus der Donationbox gegeben. Wir durften auch ein vier Stunden altes Baby bewundern, was mit Hilfe von Sister Hillary auf die Welt gebracht wurde.
Am Nachmittag haben die Schwestern eine schöne Grippe aufgebaut, damit etwas an Weihnachten erinnert. Die Nacht haben wir direkt in Mysore bei einem anderen Onkel von Roopa geschlafen, war diesmal ein altes Haus, viel kleiner, wir haben aber wieder am Boden guten veg. Biriyani (= Gemüsereis) gegessen, also nichts mit Truthahn oder so, denn die Familie ist streng gläubig und somit gibt es kein Fleisch. Ihr Onkel hat eine dreijährige Tochter, sie hat die ganze Zeit versucht mit uns in Kanada zu reden, hat überhaupt nicht verstanden warum wir nur Englisch antworten, war ziemlich lustig, ja geschlafen haben wir auch wieder am Boden auf Matten. Die Gastfreundschaft war aber bei beiden Familien super, denn wir haben einfach dazu gehört und waren sofort integriert, ein schönes Erlebnis.
Am nächsten Tag sind wir fast den ganzen Tag 6 Stunden mit dem Zug zurück gefahren, war zwar etwas mühsam unter Tags, aber dafür habe ich viel Landschaft gesehen, aber grundsätzlich ist in Indien in der Nacht reisen besser, vergeht die Zeit schneller, nur zur Info die Zugfahrt hat 2 Eur gekostet.
Ja das waren heuer meine Weihnachten, ganz weit weg, ohne jegliche Traditionen, nur englisch sprechend, bei 30 Grad, an einem der friedvollsten Plätze die ich je kennen gelernt habe, und mit vielen Indern die keine Idee von Weihnachten haben.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Geschichten aus dem Alltag Teil 1

Auf Grund meines Business-Visums muss ich mich binnen zwei Wochen registrieren lassen. Aus diesem Grund bin ich heute mit einem Assistenten aus dem “Internationalen Office“ zur zentralen Polizeistation in Vellore gefahren.
Für den Antrag haben wir 4 Kopien vom Reisepass, 4 Fotos, drei ausgefüllten Formularen, natürlich auch jeweils in vierfacher Ausfertigung und ein offizielles Schreiben der UNI, eh klar viermal, mitgenommen.
Das Büro befindet sich im zweiten Stock und besteht aus einem Vorzimmer, ca. 5 m2 mit 8 Sesseln und einem Vorzimmerherrn, der in der Zeit, in der ich warten musste, damit beschäftigt war, Akte anzuschauen, wörtlich gemeint, sie dann zu durchlöchern, mit einem Faden zusammenzubinden und dann in einen Kartonumschlag zu geben und diesen wiederum mit einem Garn zusammenzubinden, alles natürlich im indischen Tempo. Neben seinem Schreibtisch lagen schon etliche davon am Boden, sodass wirklich nur sein Platz um den Schreibtisch frei war, ich möchte ja gar nicht wissen wie es im Archiv, soweit es so was überhaupt gibt, ausschaut. Im zuständigem Büro selber, es ist auch nicht viel größer als der Vorraum, sitzt eine Dame, hat zwar einen Schreibtisch, verwendet aber eine Kartonunterlage, die sie auf ihren Schoss und den Schreibtisch auflegt, um darauf zu arbeiten, liegen auch wieder, auf allen freien Flächen, auf denen man also nicht gehen muss oder auf denen kein Sessel steht, zu Bergen aufeinander geschlichtete Akten, die meisten liegen sicher schon etwas länger dort, auf Grund der schon vorhandenen Staubschicht. Im Raum befinden sich noch Kästen, natürlich voll gefüllt und was auf darauf liegt könnt ihr euch wohl denken, ihr müsst euch noch vorstellen, dass der Raum und die Fenster sicherlich in den letzten drei Jahren nicht mehr gereinigt wurden, aus den Fenstern raus schauen, war nicht mehr möglich.
Ich musste mich mal hinsetzen, ist übrigens überall so, sobald man einen Raum betritt, auch wenn es nur für 1 Minute ist, wird man sofort aufgefordert, dass man sich hinsetzen soll. Ich muss wie gesagt warten und dann, obwohl wer anderer in ihrem Büro war, durfte ich bzw. der Assistent ihr meine Unterlagen zeigen und wurden dann, wie ich im nächsten Zimmer erkannte, zu einen Offizier geschickt.
Das Büro war komplett leer, nur ein Schreibtisch davor zwei Sessel und seiner.
Der Offizier war damit beschäftigt ein Buch zu lesen, schaute nicht einmal auf, sondern deutet nur mit der Hand, wir sollen warten, wir sind aber trotzdem bis zu seinem Schreibtisch vorgegangen, darum konnte ich auch erkennen, dass er einen Roman und kein dienstliches Buch las und scheinbar nicht unterbrochen werden wollte und nur in Ruhe seine Seite fertig lesen wollte, genau so war es dann auch. Als er fertig war, schaute er sich den Antrag nicht einmal, ganz zu schweigen darüber, dass er einmal den Kopf in die Höhe gehoben hätte, um zu schauen, wer denn überhaupt in seinem Büro war, machte seinen Vermerk drauf und widmete sich wieder seinem Buch, ohne ein Wort von sich zu geben.
Wir sind danach wieder brav zu der Dame zurück gegangen, die sich, obwohl alles schön sortiert war noch einmal alles zeigen und erklären lies, bis sie dann, mit ihren obligatorischen Kopfwackeln, zustimmte. Das Kopfwackeln ist eine typische indische Gestikulierung, es macht jeder, wenn er etwas bejahen oder zustimmen will, man bewegt den Kopf, aber wirklich nur den Kopf, leicht von links nach rechts - hin und her und erspart sich somit die Worte, schaut urlieb aus, ich kann es schon ein bisschen J
Ich bin mir heute vorgekommen, wie in so einem uralten Film und habe mir nur gedacht, oarg, diese Elite Universität auf der einen und dann auf der anderen Seite diese Bürokratische Stelle, die wie im letzten Jahrhundert organisiert ist, einen Computer habe ich in dem ganzen Gebäude nicht gesehen. Ja hier hätten wir es wieder: Indien ist anders.Ich werde euch wissen lassen, wie lange es gedauert hat, bis ich die Registrierung erhalten habe.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Geschichten aus dem Alltag: Kinobesuch

Dieses Wochenende war die Besichtigung des Ortes Vellore an der Reihe, es gibt nämlich ein riesiges Fort und ein Kinobesuch.
Das Fort war wirklich schön, riesig und man kann überall hingehen, denn Absperrungen kennen sie auch hier nicht und gleich hinter der Anlage gibt es einen wunderschönen Tempel. Der Hindi-Tempel war auch diesmal für uns nichtgläubigen offen und wir konnten wirklich überall hingehen, war auch mal schön, die ganzen Hindi Bräuche zu beobachten bzw. mitzumachen. Es immer wieder sehr erheiternd, wenn man vor dem Besuch gebeten wird die Schuhe auszuziehen, damit man nichts verunreinigt, denn die wären noch das Sauberste bei den Tempeln, vor allem wo es hier im Süden wirklich viele Inder gibt die keine Schuhe anhaben, ist auch hier am Campus nichts verwerfliches, aber egal, bevor man die heilige Stätte betritt gehören sie ausgezogen. Das aber wirklich lustigste finde ich wieder einmal, dass ich auf ca. 100 Fotos oben bin, denn alle jungen Burschen wollten sich gemeinsam mit mir fotografieren lassen, ja ja bis zum Ende des Jahres werde ich in Hunderten Fotoalben kleben .... wahrscheinlich wissen sie schon jetzt, dass ich nächstes Jahr der große Bollywood Star bin .-)
Der Kinobesuch war auch der Hammer, denn erstens wollte uns der Rikschafahrer gar nicht hinbringe, denn warum wollen weiße Mädchen ins Kino, in dem es nur Hindi Filme spielt und sie somit nichts verstehen können, dass hat er überhaupt nicht verstanden, er hat ca. 10 Mal nachgefragt, ob wir uns sicher sind ins Kino zu wollen. Das Kino ist bitte mit Ventilatoren ausgestattet und hat ganz einfache Holzklappsesseln, die Reihen gehen hinten in die Höhe und die Leinwand war auch schön groß, eine tolle Soundanlage darf man sich halt nicht erwarten, war aber auch egal. Wir haben uns den neuesten Bollywood Film angeschaut und alle, die solche Filme kennen, wissen, dass es vollkommen egal ist, ob man etwas versteht oder nicht, man bekommt nämlich trotzdem alles mit und weiß schon noch nach ersten 10 Min was passieren wird. Das aber wirklich lustige an dem Kinobesuch waren aber die Inder, denn die reden mit dem Film, so als ob sie die Handlung verändern könnten und sie klatschen, wenn ihnen etwas speziell gut gefallen hat, ich habe mich zerkugelt im Kino.