Also mal gleich vorweg, Weihnachten hier so ohne Familie und Freunde zu verbringen war nicht schlimm, denn wenn ich keinen Kalender gehabt hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen das Weihnachten ist. In Mysore hat man zwar die Kirchen mit Lichtern geschmückt gesehen, viele haben uns am 25’igsten Merry Christmas gewunschen, aber wenn man sie gefragt hat, was das bedeutet, was dahinter steht, hat keine die Frage beantworten können, sie wissen es einfach nicht.
Es war für mich ein schöner Tag, wie jeder anderer.
Ich war wie gesagt das Wochenende in Mysore und Umgebung, mit Anne und Roopa. Die ersten drei Nächte haben wir bei ihrem Onkel, der etwas außerhalb von Mysore, in einem kleinen Dorf wohnt und der Hauptpriester des Dorf-Hinditempels ist. Die Familie wohnt in einem ganz neuen Haus, alles verfliest, ziemlich kahl eingerichtet, nur das notwendigste vorhanden, wie zum Beispiel, es haben nur die Tante und der Onkel in einem Bett geschlafen, wir haben auf einer Matte am Boden geschlafen, wie auch die Tochter und die Oma von Roopa, die auch gerade zu Besuch war. Das Essen nimmt man in Indien sitzend am Boden ein, somit spart man sich auch Tisch und Sesseln, alles sehr praktisch durchdacht, denn Besteck brauchen die auch nicht, also ein Ikea in Indien hätte wirklich Pech! Also wenn ich so darüber nachdenke, werde ich einfach den Tisch und den Sessel aus meiner Wohnung entfernen, dann habe ich auch für mehr Leute Platz und muss nicht die Wand entfernen, nein war nur ein Spaß, ihr könnt, wenn ihr zu mir kommt, weiterhin bei Tisch und auf Sesseln euer Essen zu euch einnehmen. Das Essen am Boden ist aber sehr gewöhnungsbedürftig, denn der Teller steht vor einem am Boden, man sitzt dahinter im Türkensitz und ist dann einmal damit beschäftigt, aus dem Reis kleine Bällchen zu formen, damit man dann diese in den Mund schieben kann, für mich war das wirklich unangenehme, dass der Bauch ziemlich zusammen gedrückt ist, hat aber wieder den Vorteil, dass man nicht so viel essen kann.( übrigens Kathi habe drei Rezepte mitgenommen !!!) Am Samstag haben wir uns für den ganzen Tag ein Auto genommen und sind die ganze Umgebung abgefahren, war echt schön, alleine nur einfach am Land zu sein und in keiner Stadt, die ganze Flüsse mit dem grün und auch das etwas ruhigere Landleben zu erleben hat gut getan. Am Sonntag waren wir in Mysore selber und sind am Abend kurzfristig mitten in einem Märchen eingetaucht, denn da wird der Palast für eine Stunde beleuchtet, wirklich der Traum, man glaubt man ist in einer anderen Welt, wenn man hinkommt und es zum ersten Mal sieht, werden die Augen genauso groß, wie bei den Kindern, wenn sie den Christbaum mit den ganzen Kerzen sehen.
Am Montag sind wir raus zum Kloster von Sister Hillary gefahren und haben dort den Tag verbracht. Es war wirklich der passende Ort, denn Weihnachten ist ja das Fest der Liebe und wenn man diesen Platz erleben darf, und erlebt mit welcher Hingabe die Schwestern sich um die Obdachlosen, die teilweise auch geistig behindert sind, unter anderem auch den Urin nicht halten können, kümmern, weiß man was das bedeutet. Zu meiner großen Freude hat das Spital jetzt einen Arzt und ist in Betrieb, sie haben auch Medikamente und können sich wirklich um die Patienten kümmern, ihr könnt euch sicher noch an meine Erzählungen vom letzten Jahr erinnern, wo ich Hilde besucht habe und wir Ostern dort gefeiert haben. Das einzige was fehlt ist das Geld, denn die Patienten haben keines und bekommen somit die Erstversorgung gratis und müssen dann wieder gehen, zu eurer Information, in öffentlichen Spitälern werden sie weggeschickt, wenn sie nicht zahlen können.
ICH SOLL EUCH ALLEN EIN GANZ GROSSES DANKESCHÖN von Sister Hillary ausrichten, denn ich habe ihr 100 EUR aus der Donationbox gegeben. Wir durften auch ein vier Stunden altes Baby bewundern, was mit Hilfe von Sister Hillary auf die Welt gebracht wurde.
Am Nachmittag haben die Schwestern eine schöne Grippe aufgebaut, damit etwas an Weihnachten erinnert. Die Nacht haben wir direkt in Mysore bei einem anderen Onkel von Roopa geschlafen, war diesmal ein altes Haus, viel kleiner, wir haben aber wieder am Boden guten veg. Biriyani (= Gemüsereis) gegessen, also nichts mit Truthahn oder so, denn die Familie ist streng gläubig und somit gibt es kein Fleisch. Ihr Onkel hat eine dreijährige Tochter, sie hat die ganze Zeit versucht mit uns in Kanada zu reden, hat überhaupt nicht verstanden warum wir nur Englisch antworten, war ziemlich lustig, ja geschlafen haben wir auch wieder am Boden auf Matten. Die Gastfreundschaft war aber bei beiden Familien super, denn wir haben einfach dazu gehört und waren sofort integriert, ein schönes Erlebnis.
Am nächsten Tag sind wir fast den ganzen Tag 6 Stunden mit dem Zug zurück gefahren, war zwar etwas mühsam unter Tags, aber dafür habe ich viel Landschaft gesehen, aber grundsätzlich ist in Indien in der Nacht reisen besser, vergeht die Zeit schneller, nur zur Info die Zugfahrt hat 2 Eur gekostet.
Ja das waren heuer meine Weihnachten, ganz weit weg, ohne jegliche Traditionen, nur englisch sprechend, bei 30 Grad, an einem der friedvollsten Plätze die ich je kennen gelernt habe, und mit vielen Indern die keine Idee von Weihnachten haben.
Donnerstag, 27. Dezember 2007
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