Mittwoch, 19. Dezember 2007

Geschichten aus dem Alltag Teil 1

Auf Grund meines Business-Visums muss ich mich binnen zwei Wochen registrieren lassen. Aus diesem Grund bin ich heute mit einem Assistenten aus dem “Internationalen Office“ zur zentralen Polizeistation in Vellore gefahren.
Für den Antrag haben wir 4 Kopien vom Reisepass, 4 Fotos, drei ausgefüllten Formularen, natürlich auch jeweils in vierfacher Ausfertigung und ein offizielles Schreiben der UNI, eh klar viermal, mitgenommen.
Das Büro befindet sich im zweiten Stock und besteht aus einem Vorzimmer, ca. 5 m2 mit 8 Sesseln und einem Vorzimmerherrn, der in der Zeit, in der ich warten musste, damit beschäftigt war, Akte anzuschauen, wörtlich gemeint, sie dann zu durchlöchern, mit einem Faden zusammenzubinden und dann in einen Kartonumschlag zu geben und diesen wiederum mit einem Garn zusammenzubinden, alles natürlich im indischen Tempo. Neben seinem Schreibtisch lagen schon etliche davon am Boden, sodass wirklich nur sein Platz um den Schreibtisch frei war, ich möchte ja gar nicht wissen wie es im Archiv, soweit es so was überhaupt gibt, ausschaut. Im zuständigem Büro selber, es ist auch nicht viel größer als der Vorraum, sitzt eine Dame, hat zwar einen Schreibtisch, verwendet aber eine Kartonunterlage, die sie auf ihren Schoss und den Schreibtisch auflegt, um darauf zu arbeiten, liegen auch wieder, auf allen freien Flächen, auf denen man also nicht gehen muss oder auf denen kein Sessel steht, zu Bergen aufeinander geschlichtete Akten, die meisten liegen sicher schon etwas länger dort, auf Grund der schon vorhandenen Staubschicht. Im Raum befinden sich noch Kästen, natürlich voll gefüllt und was auf darauf liegt könnt ihr euch wohl denken, ihr müsst euch noch vorstellen, dass der Raum und die Fenster sicherlich in den letzten drei Jahren nicht mehr gereinigt wurden, aus den Fenstern raus schauen, war nicht mehr möglich.
Ich musste mich mal hinsetzen, ist übrigens überall so, sobald man einen Raum betritt, auch wenn es nur für 1 Minute ist, wird man sofort aufgefordert, dass man sich hinsetzen soll. Ich muss wie gesagt warten und dann, obwohl wer anderer in ihrem Büro war, durfte ich bzw. der Assistent ihr meine Unterlagen zeigen und wurden dann, wie ich im nächsten Zimmer erkannte, zu einen Offizier geschickt.
Das Büro war komplett leer, nur ein Schreibtisch davor zwei Sessel und seiner.
Der Offizier war damit beschäftigt ein Buch zu lesen, schaute nicht einmal auf, sondern deutet nur mit der Hand, wir sollen warten, wir sind aber trotzdem bis zu seinem Schreibtisch vorgegangen, darum konnte ich auch erkennen, dass er einen Roman und kein dienstliches Buch las und scheinbar nicht unterbrochen werden wollte und nur in Ruhe seine Seite fertig lesen wollte, genau so war es dann auch. Als er fertig war, schaute er sich den Antrag nicht einmal, ganz zu schweigen darüber, dass er einmal den Kopf in die Höhe gehoben hätte, um zu schauen, wer denn überhaupt in seinem Büro war, machte seinen Vermerk drauf und widmete sich wieder seinem Buch, ohne ein Wort von sich zu geben.
Wir sind danach wieder brav zu der Dame zurück gegangen, die sich, obwohl alles schön sortiert war noch einmal alles zeigen und erklären lies, bis sie dann, mit ihren obligatorischen Kopfwackeln, zustimmte. Das Kopfwackeln ist eine typische indische Gestikulierung, es macht jeder, wenn er etwas bejahen oder zustimmen will, man bewegt den Kopf, aber wirklich nur den Kopf, leicht von links nach rechts - hin und her und erspart sich somit die Worte, schaut urlieb aus, ich kann es schon ein bisschen J
Ich bin mir heute vorgekommen, wie in so einem uralten Film und habe mir nur gedacht, oarg, diese Elite Universität auf der einen und dann auf der anderen Seite diese Bürokratische Stelle, die wie im letzten Jahrhundert organisiert ist, einen Computer habe ich in dem ganzen Gebäude nicht gesehen. Ja hier hätten wir es wieder: Indien ist anders.Ich werde euch wissen lassen, wie lange es gedauert hat, bis ich die Registrierung erhalten habe.

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