Freitag, 8. Februar 2008

Geschichten aus dem Alltag: MUMBAI


Mumbai eine Stadt mit 16 Mill. Einwohnern, die Zweitgrößte in Indien. Ich gebs zu, ich bin mit gemischten Gefühlen hingeflogen, ich habe mich wirklich auf das Schlimmste gefasst gemacht, Menschenmassen, Dreck, Gestank, extremste Armut,...
Muss aber gleich einmal vorweg zugeben, ich war sehr positiv überrascht, ok ich bin nicht in den Slums gewesen, aber ich muss mir ja nicht nach der kurzen Zeit, Indien vermiesen, denn ich glaube ich ertrage viel, aber das wäre eine Nummer zu hart für mich. Es ist schon schlimm genug, die Menschen bzw. die Familien am Gehsteigen schlafen zu sehen und ständig ausweichen zu müssen, mir krampfts jedesmal den Magen zusammen, aber leider, das wird man in ganz Indien sehen.
Übrigens falls es euch interessiert, Mumbai heißt jetzt nicht mehr Bombay, weil die Inder ihren Städten die ursprünglichen Namen wieder zurück geben, sprich die sie vor den Engländern hatten, wie auch Chennai, ehemalige Madras usw..

Die Anreise war diesmal um einiges angenehmer, denn wir, Anne und ich, sind über Chennai geflogen, und nach Chennai braucht man nur drei Stunden Busfahrt, somit sind wir um 4:00 in der Früh von Vellore los und waren um 12:00 in Mumbai, Flugzeug hatte Verspätung, ist normal, hier ist eigentlich nichts pünktklich.
Wir haben in einem netten kleinem, sauberen Hotel neben dem Victoria Bahnhof gewohnt, 800 Rps (14 EUR)fürs Zimmer, im üblichen indischen lowcost Standard, zwar mit Badezimmer, aber ohne europäischer Dusche, ohne Warmwasser, das Hand- und das Leintuch ist selber mitzubringen.(Lein- und Handtuch ist Grundausstattung, wenn man in Indien billig reisen möchte).
Wenn man sich in der Früh duschen will, fragt man einfach nach heißem Wasser, man bekommt einen Kübel voll, mischt sich dann das Wasser auf die gewünschte Temperatur und duscht sich dann mit einem kleineren Behälter ab. Klingt jetzt vielleicht etwas oarg, aber man kann sich ehrlich damit genauso gut waschen und verbraucht sicher nur ein Drittel Wasser, wie beim normalen duschen.
Der erste Eindruck als wir vom Flughafen ca. eine Stunde in die Stadt gefahren sind, war gemischt, denn auf der einen Seite, die riesigen Hochhäuser und auf der anderen Seite die Gehsteige voll mit den Behausungen von Familien. Ich habe auch gleich am Anfang beobachten können bzw. müssen, wie eine Leiche, von einem auf der Strasse lebenden Menschen, mit einem Leintuch zugedeckt, gerade davon getragen wurde. Es war ganz ein eigener Anblick, mit einem komischen Gefühl im Bauch ...
In Mumbai sind keine Rikschas erlaubt, darum bin ich wieder einmal seit langem mit einem Auto gefahren, ist natürlich auch nicht so billig wie die Rikschas.
Wir haben natürlich uns gleich die typischen Sehenswürdigkeiten, wie das Gateway of India und das genau gegenüberliegenden berühmte Taj Mahal Hotel. Nur so eine kleiner Erklärung nebenbei, das Hotel ist eines der teuersten in ganz Indien und wurde von einem indischen Geschäftsmann erbaut, als ihm der Zutritt in ein Luxusklasse, mit der Erklärung, er ist kein “foreigner“, verweigert wurde.
Die Gegend um das Gateway nennt sich Colaba und ist so das typische Touristenviertel, aber sehr nett, mit einigen wirklich netten Lokalen, so Art Pubs, mit guter englischen Musik und natürlich, dreimal dürfts ihr Raten, ja genau richtig, einem gutem Bier!!! Ich bin aber gleich am ersten Tag eingefahren, denn als ich mir ein Bier bestellen wollte, wurde mir erklärt, nein heute nicht, denn am 30. Jänner ist der “dry day“. Ok, was ist bitte der “Dry day“, war mal mein erster Gedanke, aber dann hat man uns aufgeklärt, am 30. Jänner wurde Mahatma Gandhi erschossen und darum wird er als der „dry day“ bezeichnet. Unser dinner haben wir in einem wirklich genialen Lokal gegessen, muss man einfach besuchen, wenn man in Mumbai ist, es nennt sich und ist nur am Abend offen. Ab 19:00 werden die Griller angeheizt und die Tische aufgestellt. Das Restaurant besteht eigentlich nur aus einer Hütte, so wie bei uns ein Würstelstand, in der alles gegrillt wird, daneben werden die Rotis, so ähnlich wie Chiapati, heraus gebacken und damit hat es sich auch schon wieder. Die Tische werden einfach auf dem Gehsteig aufgestellt und es gibt ein leeres Gebäude auf der gegenüberliegenden Straßenseite, in dem man auch sitzen kann, wirklich ganz urig und Anne und ich waren die einzigen Weißen. Es ist aber in ganz Mumbai bekannt und wenn irgendwer Wichtiger kommt, fahren sie mit dem Auto vor, steigen aber nicht aus und Essen im Auto! Man ist dort wirklich geniales “chicken tikka“ und ganz ein flaumiges “paneer tikka“.
Natürlich haben wir uns auch die kleine Insel namens “Elephanta Island“ angeschaut, ist bekannt für ihre Höhlentempel, sind wirklich schön und noch recht gut erhalten, verwunderlicher Weise. Bei der Rückfahrt mit dem Boot hatten wir relativ starken Wellengang, sodass wir alle schön durchgeschüttelt wurden, denn wir sind mit der billigen Variante, in der normalerweise nur Einheimische fahren, unterwegs gewesen und somit war es nur ein sehr kleines Schiff, in dem man wirklich jede Welle schön spürt, war aber lustig!
Am Abend war ich dann echt überrascht, denn wir sind zum Meer gegangen und dort habe ich eine richtige Skyline zu Sehen bekommen. Die Küste ist U-förmig und auf der gegenüberliegenden Seite war das teure Viertel mit allen möglichen Bürokomplexen zu sehen. War echt ein schöner Ausblick, vor allem habe ich mir Mumbai wirklich nicht so modern vorgestellt.
Ja und dann kam der Tag, der ganz besondere Tag in Mumbai, denn wir sind zu einer Filmproduktion gefahren. Wir sind zwar erst am Abend abgeholt worden, so dass wir unter Tags uns noch die schönen Märkte, vor allem der Silkmarket ist echt der Hammer, könnte man sich zum Idioten kaufen, so tolle Farben und Stoffe, angeschaut haben. Die Preise sind zwar schon etwas teurer, es war aber einfach toll all diese Materialien zu sehen und ich liebe ja das Treiben bzw. einfach die Stimmung die auf jedem Markt herrscht.
Ja und dann ging es los. Ich habe schon von Vellore aus einen Typen ausfindig gemacht, der Weiße nach Bollywood bringt, so eine Art Castingargentur und über ihn haben wir diese Möglichkeit bekommen: ein Film shooting, inklusive An- und Abreise, Essen, Trinken und 500 Rps zu besuchen. Wir haben uns um 17:00 Uhr getroffen und sind dann mit dem Zug gefahren, wobei wir das einzigartige Spektakel des Zugfahren in Mumbai, erleben durften, wirklich ein Erlebnis. Man muss sich vorstellen, es gibt dort eigene Abteile bzw. pro Zug Eines, nur für Frauen, wenn ein Zug einfährt stürmen sie, wie wenn sie um ihr Leben rennen müssten, in den Zug, sodass teilweise ein Aussteigen unmöglich ist, echt oarg das zu beobachten bzw auch mitmachen zu müssen. Nur zum Verständnis, es gibt nicht die Möglichkeit zusammen in einem Abteil zu sitzen bzw. stehen, vor allem nicht während der Stosszeit, denn es ist echt hart, überhaupt einsteigen zu können.(die HTL Busaktion am Samstag war dagegen wirklich nichts!!!) Also, nach Quetschkur sind wir dann am Drehort angekommen, es war ein kleiner Bungalow, vor dem, im Freien, eine Partyszene, für eine sehr bekannte Serie aufgenommen wurde, also nix mit Bollywood. Aber egal, denn es ging ja nur um den Spaß und sehen werden uns so wahrscheinlich sogar mehr Inder, denn die Serie ist so berühmt wie bei uns Reich und Schön oder so. Die Aufnahmen waren im Freien, was echt der Hammer war, denn es hat bis 6:00 in der Früh gedauert und in Mumbai war es wirklich kalt, wir haben ziemlich gefroren. Ich weiß jetzt eins, der Film ist nicht meins, ich bleibe beim Theater, denn da muss man wirklich was spielen und nicht alles 100 mal wiederholen, bis es endlich passt. Was total lustig zu beobachten war, waren die Schauspielerinnen, denn die haben wirklich alle zwei Minuten “Make up“ gerufen, dann sind so kleine Inder daher gewatschelt und sie haben ihr Puder oder was weiß ich, ausgebessert, vollkommen unnötig bei 2cm Make up, aber bitte. Leider war natürlich auch nicht einer der berühmten “Khan’s“ dabei, somit wieder nix! Ich bin wirklich ziemlich enttäuscht, dass ich nicht nach Bollywood gekommen bin, denn da soll sich gerade JOHNNY DEPP für Dreharbeiten zu einem der neuesten Bollywood Filme befinden - stellts euch bitte vor, Kathi K und Johnny im gleichen Film ... ok ok Träumen wird man noch dürfen J !!!
War eine wirklich witzige Erfahrung, mit urlustigen Leuten, gehört irgendwie zu dieser Stadt dazu!Mumbai ist eine wirklich nette Stadt mit freundlichen Indern, die sogar ein “nein“ akzeptieren und man auch bedenkenlos am Abend auf der Strasse gehen kann, man trifft sogar auf Inderinnen, die am Abend fortgehen, ein sozusagen “normales“ Leben führen können.

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