Montag, 11. Februar 2008

Geschichten aus dem Alltag: Heiraten - Verheiraten

Mir wurde berichtet, hier in Indien werden ca. 80 % der Hochzeiten arrangiert. Das bedeutet, dass sich die Eltern, wenn ihre Kinder im richtigen Alter sind, nach einem passenden Partner umschauen, muss ja aus der gleichen Kaste kommen und auch sonst entsprechen. Danach wird den Kindern als erstes ein Foto gezeigt, wenn das ok ist, wird ein Treffen vereinbart, natürlich im beisein der ganzen Familie, wo sich die Beiden kennen lernen dürfen, könnts euch ja vorstellen, wie gut das funktioniert, wenn dreißig neugierige Ohren runderherum sitzen. Und nach diesem Treffen heißts „So meine Liebe ..., so meiner Lieber, jetzt musst du dich entscheiden“. Sie müssen also wirlich nach diesem einem Treffen ihr Zukunft entscheiden, will ich ihn oder sie heiraten ja oder nein.Auf die Frage, ob die Eltern ein nein akzeptieren, bekam ich immer ein ja als Antwort, somit haben sie zumindest wirklich die Wahl zu entscheiden. Kurze Zeit darauf, ein paar Wochen später, wird die Verlobung bekannt gegeben und danach gleich der Hochzeitstermin. In der Zeit können sie sich aber sehr wohl treffen, telefonieren oder SMS (ist hier so billig, dass fast jeder nur mit SMS kommuniziert, sie chatten teilweise stundenlang mit dem Handy, so nebenbei, Handy versteht hier keiner, ich muss jetzt mobile sagen, oarg oder, da verwenden wir mal ein englisches Wort und dann – versteht uns keiner). Ihr könnt mir glauben, dass rennt hier wirklich so ab, auch wenn es für uns unglaublich klingt, für die Inder ist er vollkommen normal, man versteht auch nicht, wie ich nur noch nicht verheiratet sein kann, wenn meine Schwester schon ein Kind hat, denn hier wird das älteste Kind als erstes verheiratet. Sofi, Kollegin, die mit mir im Büro sitzt, ist im Jänner so verheiratet worden, sieht es aber als ganz normal, wobei ich ihren Mann auch bereits kennen gelernt habe und festgestellt habe, die Beiden sind wirklich für einander bestimmt, sie hat also wirklich Glück gehabt. Ein anderer Kollege von mir, hat am Samstag geheiratet und hat seine Frau im Dezember kennen gelernt ... Kathi, wir heiraten zuerst und lernen uns dann kennen und lieben und bleiben aber auch dann ein Leben lang zusammen, war die Antwort von Geetha einer Freundin und Kollegin von mir, ihr könnt selber wählen, lernt euch kennen, dann lieben, heiratet und lasst euch aber dann auch wieder scheiden, obwohl ihr euch den Partner selber ausgewählt habts. Die Hochzeit von Bala, so heißt der Bräutigam, war auch eine arrangierte, obwohl er acht Jahre in Deutschland gelebt hat, ist er jetzt zum heiraten zurück gekommen und geht aber wieder mit ihre gemeinsam nach Deutschland zurück. Man muss diese Tatsache nicht erfragen, denn man kann es ganz einfach am Umgang des Brautpaares miteinander erkennen. Professor Bala habe ich hier kennen gelernt, denn er ist der Verbindungsmann zwischen der Uni Vit und Hannover und hat hier in VIT seine Zeit vor der Hochzeit verbracht und uns so kennen gelernt und auch gleich eingeladen. Zu einer Hochzeit werden so ca. 500 Leute eingeladen und es auch kein Problem, wenn man einfach ein paar Freunde mitbringt.Die Zeremonie selber, also die Heirat selber, hat in der Früh um 8:30 angefangen und ca. 2 Stunden gedauert. Bei dieser Zeremonie ist der Hauptakt die Überreichung der “Thali“ vom Bräutigam and die Braut, ist eine goldene Kette mit einem speziellen Anhänger und das Zeichen, dass eine Frau verheiratet ist, die Kette wird normalerweise nicht mehr runter genommen. Daneben werden dauernd irgendwelche Gebete in Hindi gesprochen, klassische Musik gespielt, hunderte Leute betreten den Raum und verlassen ihn auch wieder, jeder plaudert und ab und zu schaut man mal auf die Bühne, was gerade passiert, das war so ungefähre Stimmung während der Zeremonie im Hauptraum. Ah ja ganz wichtig, die Hochzeiten finden in Indien, in einer “Wedding hall“ statt, kostet ziemlich viel Geld diese anzumieten und sind nur fürs heiraten erbaute Gebäude.Gleich nach der Überreichung der Thaali rennen ungefähr 50 Menschen gleichzeitig auf die Bühne um dem Brautpaar zu gratulieren und ein Foto zu machen, dass ist ganz wichtig, jedes Brautpaar bekommt ca. 3 Fotoalben über die Hochzeit, von professionellen Fotografen, mit allen Leuten und den ärgsten – kitschigen Hintergründen – das einzige was fehlt, ist eine Schneelandschaft J. Nach der Geschenküberreichung und Gratulation gibt es Mittagessen, ein einfaches “Meal“, auf einem Bananeblatt werden die verschiedenste Gerichte serviert. Dann gibt es eine Pause, bei uns bis 18:00 Uhr, ist aber normal, gibt es bei jeder Hochzeit.Wichtig ist auch, dass man dann beim zweiten Teil der Hochzeit, ein anderes Gewand anziehen sollte, uns hat das natürlich keiner gesagt, weil es ja logisch ist und darum habe ich dann mit meiner Jean gehen müssen. Der zweite Teil ist eigentlich nur noch einmal eine Gratulation, es kommen teilweise wieder andere Leute und es gibt ein Abendessen. Es wurden natürlich wieder hunderte Fotos gemacht und es hat nebenbei live gespielte klassische Musik gespielt, aber es gibt keinen Tanz. Die Gratulation findet auch in einem anderen Raum als das Dinner statt, dass übrigens ein Stehbüfette war, ich bin nur froh, dass ich jetzt wirklich schon einwandfrei mit den Fingern essen kann, komisch, wenn man an unsere Tafeln und feiern denkt, die Organisation der Sitzordnung, des Tischschmuckes, all das ersparen sich die Inder, sehr gscheit. J Die Braut und der Bräutigam waren für diesen Teil auch anders gekleidet, bei diesem Abschnitt tragt die Braut ihren eigen ausgewählten Sari, denn beim ersten Teil, muss sie den ihrer Schwiegermutter tragen.Wir sind dann gleich nach dem Dinner wieder mit dem Bus zurück nach Vellore gefahren, haben aber vorher noch unser Gastgeschenk, eine Kokosnuss in einer bedruckten Stofftasche bekommen. War ein tolles Erlebnis, all diese Leute und die Farben zu sehen, auch die Stimmung beim Festakt zu spüren, aber irgendwie war es nicht so festlich wie bei uns oder auch in Bali beim Robert, für mich hat einfach was gefehlt, das gmiatliche :-)

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