Mittwoch, 23. Januar 2008

Geschichten aus dem Alltag: GOA


Ich sage es euch schon mal gleich vorweg es war genial J
In Indien ist bei solchen Trips meistens die An- und Abreise etwas eigen, beschwerlich wäre der falsche, zu negativ behaftete Ausdruck, denn im Endeffekt ist es immer noch lustig gewesen. Also, wir drei Mädls, Anne Sophie und ich, sind am Donnerstag Abend mit dem Bus von Vellore nach Bangalore gefahren, 5 Stunden, und sind um 4:30 in Bangalore am Busbahnhof gelandet, na ja dann war die große Frage – was tun jetzt, denn ein Lokal suchen wäre sinnlos, so sind wir mit dem Bus einfach zum Flughafen gefahren und haben dort bis zu Mittag auf unseren Flug gewartet. Wir mussten leider so komisch anreisen, denn der einzige Zug von Vellore nach Bangalore wäre erst in der Früh gefahren und dann hätten wir nur zwei Stunden bis zu unserem Abflug gehabt und hier in Indien ist es aber normal, dass der Zug so eine Stunde Verspätung hat und dann noch der Verkehr in der Großstadt, dass wäre sich einfach nicht ausgegangen.
Dann endlich, nach der ganzen Strapaze sind wir in GOA gelandet, wir wurden von einem Fahrer abgeholt und haben dann noch 1 ½ Stunden Fahrt in den Süden genossen – und dann endlich im Paradies gelandet.
Es war der Hammer, als wir angekommen sind, überall nur die Palmenhütten, keine Häuser, nur Palmen der Strand und das Meer, ich bin mir wie im falschem Film vorgekommen. Die erste Nacht haben wir in einer kleinen Hüttensiedlung, 6 Hütten, in der nur Europäer, die gleich einige Monate hier verbringen, teilweise Pensionisten, aber auch die Hippies, die einfach flüchten wollen, gewohnt. Die Hütte war mit einem kleinem Balkon, einem Schlafbereich und einem Bad mit WC ausgestattet, alles ganz einfach, aber was braucht man mehr ?
Wir sind natürlich gleich ins Meer gehüpft und haben dabei einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen dürfen ...
Der Strand heißt Palolem beach und ist im Süden von Goa, er ist noch recht ruhig und man findet nur einfache Behausungen, vor allem die Hütten und keine Hotelkomplexe, was natürlich der Traum ist.
Wenn man im Meer geschwommen ist und zurück, aufs Land geschaut hat, waren nur Palmen und der Strand zu sehen, ... Ich hoffe die Berichterstattung ist erträglich für euch, aber wie ich gehört habe, habts ihr eh auch mitlerweile Frühling, dann haltet ihr das schon aus, hihihi.
Am nächsten Tag sind wir dann in unser eigentliches Quartier übersiedelt, San Francisco hat sich die Anlage geheißen, direkt am Strand, mit einem Restaurant dabei. Die Hütte war etwas kleiner, aber genauso aufgebaut und ja, was noch zu erwähnen ist, die Hütten sind nur mit einem Ventilator und Kaltwasser, was aber nicht wirklich kalt war, ausgestattet. Die Hütte hat uns pro Tag 14 Eur kostet und wir haben sie uns zu dritt geteilt, war somit eine 5 Eur für die Behausung J
Am Strand sind einige nette Lokale, alle mit Meeresblick und gutem Essen, es ist also nicht so, dass gar nichts los war, es war einfach alles stimmig, nichts übertrieben, auch von den Touristen, nicht überfüllt und angenehme Leute.
Was auch wirklich genial war, es hat europäisches Essen gegeben! Das klingt jetzt vielleicht etwas komisch, aber Alle, die schon mal länger weg waren, werden mich verstehen, ich habe letztes Jahr auch bei Hilde gelacht, als sie unbedingt Bruscetta essen wollte, auf jeden Fall hat es dort einen “echten“ Italiener gegeben und keine Ahnung, ob es auf Grund der zwei Monate war oder weil sie einfach wirklich gut war, die Pizza hat auf jeden Fall genial gut geschmeckt!!!
Einen Tag sind wir Richtung Norden, auf einen anderen Strand, Agonda beach gefahren. Ich sage nur Natur pur, total unberührt, dort es gibt es genau 10 Palmenhütten, 2 Lokale und sonst Strand, Meer und Umgebung. Für den einen Tag war es echt schön, denn der Strand war auch menschenleer, aber zum Urlaub machen.... vielleicht als total verliebtes Pärchen, aber ansonsten, etwas zu viel Nichts.
Auf diesem Strand haben wir die abartige Begegnung von männlichen indischen Touristen gehabt. Man muss sich vorstellen, die fahren einfach nur deshalb nach Goa, um sich die Bikinigirls anzuschauen. Anzuschauen ist vielleicht zu harmlos ausgedrückt anzustarren, angaffen, keine Ahnung. Echt der Hammer sie treten immer im Rudel auf, haben meistens ein Handy in der Hand und starren, bleiben auch vor einem stehen, und das ärgste ist, teilweise filmen sie auch, keine Ahnung wo man uns jetzt sehen kann, aber ehrlich, total ungeniert, bis ich ausgezuckt bin und sie aufgehört haben. Da liegt man seelenruhig auf einem wunderschönen Strand, genießt einfach das Leben, beobachtet dabei eine indische Familie, wie sie ihren Ausflug ans Meer, komplett bekleidet natürlich, denn ausziehen gibts nicht, genießen und dann kommt so ein wahnsinniger Inder mit einem Bier in der einen und einer Filmkamera in der anderen Hand daher und filmt uns drei Girls. Die Situationskomik könnte aus einem Haderfilm stammen;
Den Norden von Goa haben wir uns natürlich auch angeschaut, Old Goa, bekannt für die wunderschönen Kirchen, unter anderem eine Katharina Kathedrale und Panaji, ist eine schöne alte portugiesische Stadt, mit einem netten Flair.
Auf Grund des immer am Mittwoch statt findeten berühmten “flea market“ in Anjuna, sind wir für eine Nacht dort hingereist. Anjuna war früher die Hippiehochburg, mittlerweile wurden sie von den Technofreaks abgelöst, alleine aus diesem Grund ist der Markt schon einen Besuch wert, denn teilweise laufen dort Gestalten herum, unglaublich. Der Markt war ganz eigen, schwer zu beschreiben, muss man einfach selber erlebt haben, denn er ist sicher zwei Fußballfelder groß und man bekommt dort Alles, vor allem viel Silberschmuck, Gewand, Gewürze, Kunstgegenstände, einfach alles und das in der einer Menge, unbeschreiblich, ihr kennts mich und meine Vorliebe für Silber, ich war aber unfähig was zu kaufen, denn außer Silber, habe ich nichts mehr gesehen, es war einfach viel zu viel, keine Ahnung wahrscheinlich muss man ein zweits Mal hinkommen, dann weiß man zumindest, was einem erwartet, denn beim ersten Mal ist man einfach überfordert, zumindest ist es mir so ergangen.
In Anjuna haben wir in einem netten Quartier gewohnt, war aber diesmal ein gemauertes Haus, auch nicht direkt am Meer, also ohne Wellenrauschen. Der Strand war viel voller und er hat einfach nicht die nette Atmosphäre wie Palolem gehabt. Aber dafür haben in einem guten deutschem Restaurant Kaiserschmarrn gegessen, mehr muss ich eh nicht sagen...

Die Heimreise war nicht so spektakulär, wie die Anreise, obwohl sie auch genug Zeit in Anspruch genommen hat.

Jetzt haben die Studenten gerade ihre Examen und ich bin diesmal auch als Supervisor eingeteilt, rennt natürlich auch alles streng nach Regeln ab, ohne eigenes Papier usw., was aber witzig ist, hier dürfen auf einmal die Burschen neben den Mädls sitzen, muss ich mal fragen warum, denn die Burschen sind alle ganz abgelenkt ....

Mittwoch, 9. Januar 2008

Geschichten aus dem Alltag: Termine und Büro

Die UNI funktioniert hier wie eine Schule, mit einem Stundenplan, von 8:30 bis 17:00,indem die Studenten ihre fixen Stunden vorgegeben haben und anwesend sein müssen. Es gibt auch fixe “Exam“ Zeiten, somit weiß jeder, dass alle Prüfungen in diesen Wochen statt finden. Natürlich gibt es auch fixe Ferienzeiten. Alle diese Daten sind in einem großen VIT Kalender eingetragen, der überall hängt.
Im Dezember hat es eine Verschiebung der Exams gegeben, keine Ahnung warum, aber egal. Mit diesem Wochenende sind Ferien, Ponga Feiertage, fragt mich nicht was es bedeutet, aber egal, wir haben fünf Tage frei!
Aus diesem Grund haben Anne, Sophie und ich befunden, wir fahren nach Goa. Einen direkten Zug haben wir für dieses Datum nicht gefunden, nur einen über tausend Ecken, wir wären insgesamt 22 Stunden unterwegs, und da haben wir einstimmig beschlossen, nein alles was recht ist, aber das ist zu viel, darum fliegen wir jetzt für 95 Eur und haben die Tickets letzten Dienstag gebucht. Bis jetzt ja alles noch recht normal und langweilig, aber jetzt kommt der Hammer: letzten Freitag erzählen mir diverse Kollegen, die Ferien wurden verschoben
!!!! das Datum wurde nach hinten verschoben!!!!
Könnts ihr euch das Vorstellen, einfach so, verschieben sie die Ferien!!! Ihr hättet mich sehen sollen, ich bin nur da gesessen und habe meine Kopf geschüttelt und mich gewundert. Das ist Indien, kann ich nur sagen. Mittlerweile kann ich ja schon wieder darüber lachen, wir müssen unser Flugticket um 30 Eur umbuchen, denn jetzt habe ich natürlich an den Tagen Unterricht und ich kann nicht einfach so weg. E-Ticket umbuchen geht ja bei uns nicht so leicht, hier ist es aber kein Problem, außer, jetzt kommt der nächste Hammer, dass sie bei Deccan Airlines, gehört zu Kingfisher Airline, die Umbuchung nur mit einer “nationale Kreditkarte“ zulassen, denn sie können die Daten nicht telefonisch entgegen nehmen, Begründung gibt es keine, ist einfach so und per Internet ist es nicht möglich, denn die Funktion gibt es auf der Homepage nicht, sorry it isn’t possible!!! Ich habe es aufgegeben, ich kann es nicht verstehen und ich bin fast davon überzeugt, sie verstehen es auch nicht, aber egal, wie auch immer, ich werde mir morgen einfach von einem Professor eine Kreditkarte ausborgen um die Umbuchung für 35 EUR durchführen zu können.
Die Verschiebung der Ferien bedeutet aber auch für die Studenten neue Examtermine und wir Lehrer müssen auf einmal zwei Samstag arbeiten, keine Ahnung warum zwei, denn die Ferien verlängern sich nur um einen Tag, der Grund ist wahrscheinlich einfach Indien J

Also ihr könnts euch sicher sein, fad wird einem hier nicht!
Für die nächsten freien Tage habe ich beschlossen nur noch ein paar Tage vorher was zu buchen, was leider auch urschwer ist, denn die Züge sind meistens zwei Wochen vorher schon ausgebucht, da muss man in Indien schnell sein, denn jeder reist mit dem Zug.
Ich bekomme ein eigenes Büro, hier cabin genannt, die Arbeiten, Wände aufstellen usw. sind bereits abgeschlossen und als ich heute Prof. Sehkar gefragt habe, wann ich denn jetzt übersiedeln soll, hat er mich, ehrlich ohne Schmäh, gefragt, ob ich schon einen Antrag für einen Tisch und Sessel gestellt hätte. Ich total entgeistert, nein, denn es ja normal, dass ich das brauche, hat er mir wiederum erklärt, nein ohne einen schriftlichen Antrag bekomme ich nichts. Also habe ich heute brav meinen Antrag für einen Schreibtisch mit Laden und einen Sessel gestellt. Ich bin schon gespannt wie lange es dauert, denn auf meine Registrierung, falls ihr euch erinnert, warte ich noch immer J
Das einzige Gefährliche bei solchen Situationen ist immer, dass ich keine Lachkrampf bekomme oder zynisch werde, denn es liegt mir immer auf der Zunge.

Übers Wochenende bin ich mit ein paar Freunden nach Mahabalipuram gefahren, war urschön, genialer Strand, viele schöne Tempel, einer direkt am Strand, ein Höhlentempel, wie auch einen Felsen, der ausschaut, als ob er jeden Moment zum rollen anfangen würde. Das Städtchen ist zwar von vielen Touristen besucht, trotzdem haben wir in einen sauberen Guesthouse für 3 EUR (!) die Nacht schlafen können. Am Samstag Abend haben wir guten frischen Fisch und ein gutes Biertschi genossen.

Jetzt freue ich mich schon auf die paar Tage Urlaub in Goa, Strand, Sonne, Hitze, Meer, ...

Donnerstag, 3. Januar 2008

Geschichten aus dem Alltag : Prüderie in Indien

Also, das unterrichten macht echt Spaß, es ist zwar noch das urkomische Gefühl da vorne auf dem Pult zu stehen und mit einem ganz vorsichtigen “Mam“ angesprochen zu werden, denn irgendwie sind sie alle ganz schüchtern und trauen sich nicht wirklich reden, aber ich denke es wird sich noch legen, wo ich mir diese Anfangsphase herbei sehnen werde.
Also bezüglich der Sitzordnung muss ich gestehen, die sitzen wirklich getrennt, Männlein-Weiblein, also prüder als die Inder geht ja nun wirklich nicht mehr, vielleicht sollte ich mal einen Sitzplan vorschlagen ?!
Die Uni VIT hat auch eine Partnerschaft mit China und deswegen sind hier 300 Chinesen nicht nur zu meiner, sondern zu aller Freude, denn es ist wirklich lustig zu beobachten, überall wo sie hinkommen, verdrehen alle die Augen. Anita vom International Office sagt, sie kommen wegen allen Problemen zu ihr, auch wenn sie untereinander streiten, obwohl sie eigentlich nur für das ganze bürokratische zuständig ist, der Hammer ist aber, finde zumindest ich, dass deren Programm auf vier Jahre geht, also die bleiben vier Jahre in Indien. Sie haben auch riesige Probleme mit der Küche und mittlerweile kochen sie sich selber ihr Essen, dass größte Problem ist aber, dass sie fast alle kein Englisch können und hier mal Englisch lernen müssen, um dann überhaupt studieren zu können. Ihr kennt ja meine Einstellung zu China und darum habe ich auch einen gewissen Respektsabstand zu den Chinesen, ja ich weiß eh, dass es nicht gerecht ist, darum habe ich mich auch heute in der Früh umso mehr gefreut, als sich eine von ihnen zu mir gesetzt hat, aber ich darf ja nicht unfair sein, sie war wirklich nett und bemüht und wollte nur mit mir nett plaudern. Wie auch immer, sie war auch über die Sitzordnung in den Klassen erstaunt, denn sie meinte zwar die Trennung in den Hostels gibt es auch in China, aber in der Klasse darf sich jeder dort hinsetzen, wo er will. Sie hat mir weiters erzählt, dass sie gleich am Anfang wie sie ihre Minnis tragen wollten, eine Zurechtweisung bekommen haben, dass man so was hier auf der Uni nicht tragt, na bin ich froh, dass ich meine ganzen Minniröcke zu Hause gelassen habe, wäre sonst nur unnötiger Ballast gewesen J

Am Donnerstag hatten wir hier am UNI Campus eine Tanzveranstaltung, alle die der Meinung waren, sie können tanzen, hatten die Chance aufzutreten. Ich war begeistert, dass sich hier auch mal was neben dem Uni Leben abspielt, und habe mich wirklich darauf gefreut, ich bin etwas später hingekommen, denn ich musste ja unterrichten. Als ich das Auditorium betrete, traue ich meinen Augen nicht, links sitzen die Burschen und rechts die Mädchen. Ich war und bin noch immer entsetzt, so was abnormales gibt es sicher nur hier!!! Maddy, ein Inder, der aus dem Norden kommt, hat mir erklärt, dass es hier im VIT eh alles offen zugeht, denn es gibt in anderen Universitäten es noch mehr Trennungen, wie eine Frau unterrichtet nur die Mädels usw. Ich habe bei diverse Leuten nachgefragt, die mir das alle bestätigt haben.
Unpackbar für mich, ich bin immer sprachlos, wenn ich so was wieder bemerke und wenn ich mich dann darüber aufrege, bekomme ich immer zur Antwort, ja das ist halt Indien, die sehen, dass als vollkommen normal.
Ihr hättet mal die Gesichter von den Indern sehen müssen, als ich denen erklärt habe, dass bei uns alles gemischt ist, sogar die Studentenwohnheime, ich glaube, sie glauben mir das bis heute noch nicht.
Letzte Woche waren in Vellore essen, denn wir sind recht spät mit dem Zug von Mysore zurück gekommen und außerdem, fährt Robert, (aus Dresden) morgen wieder nach Deutschland zurück. Es waren noch die Inder Shirish und Maddy mit, die im Boy-Hostel wohnen, also wir sind recht spät essen gegangen und auf einmal bekamen die Beiden den vollen Stress, denn um 21:30 werden die Tore verschlossen und sie kommen nicht mehr hinein, es gibt nur Ausnahmegenehmigungen für den Samstag. Die können nicht einmal sagen, wir feiern heute einen Geburtstag oder so, um 21:30 müssen sie zurück sein. Ich schwöre euch, wenn die das einmal bei mir machen, bin ich weg. Der Hammer, wenn ich schon dabei bin mich aufzuregen, war, als Katharina nach Hause fuhr, hätte sie vom Oberhostelaufseher eine Genehmigung gebraucht, dass sie das Hostel jetzt verlässt, um nach Hause zu fahren !!!! sie hat diese natürlich nicht eingeholt, aber ich bin davon überzeugt, schlimmer geht es nicht mehr.

Ja das nur so nebenbei als Schmankerl, viele der Studenten wohnen daher draußen, mieten sich daher Zimmer, obwohl, fort gehen in diesem Sinne kann man hier in Vellore eh nicht, denn die Stadt hat nichts zu bieten, außer das CMC (Krankenhaus) und die VIT und vielleicht drei Lokale in denen man Essen kann.
Soviel zum Studetenleben in Indien, auf mich wirkt das eher wie Knastleben, aber ich bin ja Gott sei Dank in Österreich aufgewachsen und sehe es daher aus einem ganz anderen Blickwinkel.

Montag, 31. Dezember 2007

Silvester

ein schönes neues Jahr, mal zu erst!!!
Ja Silvester war auch ein Erlebnis der anderen Art.
Am Sonntag sind wir, Sophie, Anne und ich durch ganz Vellore gefahren um ein Lokal zu finden was länger als 22:30 offen hat, denn das ist hier wirklich nicht einfach. Also endlich konnten wir dann das Hotel Baby Residenzi ausfindig machen, indem sogar ein Rahmenprogramm mit Dinner - Bufette angeboten haben, um sage und schreibe 4 EUR.
Am nächsten Tag sind wir, total nett heraus geputzt und mit großer Freude auf das Fest, am Abend zu sechst gestartet.
Im Baby Residenzi angekommen, sind wir auf die Dachterrasse und kamen gleich mitten ins Geschehen, denn die Veranstaltung war schon im Gange. Ja das Rahmenprogramm hat sich dann als passend zum Namen des Hotels heraus gestellt, denn es war eigentlich für Kinder ... Zwischendurch hat die Moderatorin immer wieder Leute zum tanzen auf die Bühne geholt und dabei hat sie auch nicht auf uns vergessen, war total witzig, denn wir haben angefangen zu tanzen und dann hat der DJ einfach die Musik abgedreht, so uups, ich habe mich verdrückt.
Das Essen war ein Traum, viel Fisch, Reis, Paratha, usw. und das erste Mal wirklich scharf.
Nach dem Essen haben wir uns einfach in den hinteren Bereich zurück gezogen und unsere eigene Gaudi gemacht. Ein kleines Detail am Rande, ist gab natürlich keinen Alkohol.
Als Mitternacht immer näher rückte haben wir uns noch schnell Becher mit Kaffee und Tee organisiert, damit wir zumindest anstoßen konnten.
Um Mitternacht, wurde nur kurz das Licht ab- und aufgedreht und ja... danach sind die Leute gegangen, kein Countdown zählen, keine Musik zum tanzen und auch kein Gegenseitiges Beglückwünschen.
Wir waren auf Grund der Beglückwünscherei die Letzten. Aber bitte ich darf ja nicht sagen, dass gar nichts war, denn es wurden schon ein paar Raketen auf der anderen Seite der Stadt abgeschossen.
Bei der Heimfahrt haben wir die ganzen Inder, die zu den Tempeln gepilgert sind, sehen können, dass ist nämlich ihre Tradition um Mitternacht zu einem Tempel zu gehen, denn die religiöse Seite überwiegt einfach, sie sind nicht so vergnügungssüchtig wie wir.
Als ich ins Hostel zurück gekommen bin, waren noch ein paar Mädchen wach, die Alle in ihren Zimmern gefeiert haben, gefeiert ist vielleicht übertrieben, denn sie haben sich irgendwelche Filme angeschaut.
Im VIT wurde auch für alle ein Film im großen Auditorium als Silvesterspecial angeboten, wobei die Mädchen nach Ende des Filmes mit dem Bus ins Hostel gebracht wurden, damit ja nichts passiert, oder was weiß ich warum.
Am 1. Jänner ist es hier Tradition einen Kuchen zu essen, dass machen sie überhaupt zu jedem Fest und wieder in den Tempel bzw. in die Kirche zu gehen. Ich wurde gleich gerügt, weil ich nicht in die Kirche gegangen bin, ich habe aber auch bis jetzt nicht gewusst, dass der 1. Jänner ein spezielles Fest für Maria ist, 8 Tage nach Geburt Jesus,aber ich gebe ja zu, dass ich mich in diesen Dingen noch nie gut ausgekannt habe!!!
Ja das war mein Silvester. Ich sag nur Indien ist anders :-)

Donnerstag, 27. Dezember 2007

Weihnachten

Also mal gleich vorweg, Weihnachten hier so ohne Familie und Freunde zu verbringen war nicht schlimm, denn wenn ich keinen Kalender gehabt hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen das Weihnachten ist. In Mysore hat man zwar die Kirchen mit Lichtern geschmückt gesehen, viele haben uns am 25’igsten Merry Christmas gewunschen, aber wenn man sie gefragt hat, was das bedeutet, was dahinter steht, hat keine die Frage beantworten können, sie wissen es einfach nicht.
Es war für mich ein schöner Tag, wie jeder anderer.
Ich war wie gesagt das Wochenende in Mysore und Umgebung, mit Anne und Roopa. Die ersten drei Nächte haben wir bei ihrem Onkel, der etwas außerhalb von Mysore, in einem kleinen Dorf wohnt und der Hauptpriester des Dorf-Hinditempels ist. Die Familie wohnt in einem ganz neuen Haus, alles verfliest, ziemlich kahl eingerichtet, nur das notwendigste vorhanden, wie zum Beispiel, es haben nur die Tante und der Onkel in einem Bett geschlafen, wir haben auf einer Matte am Boden geschlafen, wie auch die Tochter und die Oma von Roopa, die auch gerade zu Besuch war. Das Essen nimmt man in Indien sitzend am Boden ein, somit spart man sich auch Tisch und Sesseln, alles sehr praktisch durchdacht, denn Besteck brauchen die auch nicht, also ein Ikea in Indien hätte wirklich Pech! Also wenn ich so darüber nachdenke, werde ich einfach den Tisch und den Sessel aus meiner Wohnung entfernen, dann habe ich auch für mehr Leute Platz und muss nicht die Wand entfernen, nein war nur ein Spaß, ihr könnt, wenn ihr zu mir kommt, weiterhin bei Tisch und auf Sesseln euer Essen zu euch einnehmen. Das Essen am Boden ist aber sehr gewöhnungsbedürftig, denn der Teller steht vor einem am Boden, man sitzt dahinter im Türkensitz und ist dann einmal damit beschäftigt, aus dem Reis kleine Bällchen zu formen, damit man dann diese in den Mund schieben kann, für mich war das wirklich unangenehme, dass der Bauch ziemlich zusammen gedrückt ist, hat aber wieder den Vorteil, dass man nicht so viel essen kann.( übrigens Kathi habe drei Rezepte mitgenommen !!!) Am Samstag haben wir uns für den ganzen Tag ein Auto genommen und sind die ganze Umgebung abgefahren, war echt schön, alleine nur einfach am Land zu sein und in keiner Stadt, die ganze Flüsse mit dem grün und auch das etwas ruhigere Landleben zu erleben hat gut getan. Am Sonntag waren wir in Mysore selber und sind am Abend kurzfristig mitten in einem Märchen eingetaucht, denn da wird der Palast für eine Stunde beleuchtet, wirklich der Traum, man glaubt man ist in einer anderen Welt, wenn man hinkommt und es zum ersten Mal sieht, werden die Augen genauso groß, wie bei den Kindern, wenn sie den Christbaum mit den ganzen Kerzen sehen.
Am Montag sind wir raus zum Kloster von Sister Hillary gefahren und haben dort den Tag verbracht. Es war wirklich der passende Ort, denn Weihnachten ist ja das Fest der Liebe und wenn man diesen Platz erleben darf, und erlebt mit welcher Hingabe die Schwestern sich um die Obdachlosen, die teilweise auch geistig behindert sind, unter anderem auch den Urin nicht halten können, kümmern, weiß man was das bedeutet. Zu meiner großen Freude hat das Spital jetzt einen Arzt und ist in Betrieb, sie haben auch Medikamente und können sich wirklich um die Patienten kümmern, ihr könnt euch sicher noch an meine Erzählungen vom letzten Jahr erinnern, wo ich Hilde besucht habe und wir Ostern dort gefeiert haben. Das einzige was fehlt ist das Geld, denn die Patienten haben keines und bekommen somit die Erstversorgung gratis und müssen dann wieder gehen, zu eurer Information, in öffentlichen Spitälern werden sie weggeschickt, wenn sie nicht zahlen können.
ICH SOLL EUCH ALLEN EIN GANZ GROSSES DANKESCHÖN von Sister Hillary ausrichten, denn ich habe ihr 100 EUR aus der Donationbox gegeben. Wir durften auch ein vier Stunden altes Baby bewundern, was mit Hilfe von Sister Hillary auf die Welt gebracht wurde.
Am Nachmittag haben die Schwestern eine schöne Grippe aufgebaut, damit etwas an Weihnachten erinnert. Die Nacht haben wir direkt in Mysore bei einem anderen Onkel von Roopa geschlafen, war diesmal ein altes Haus, viel kleiner, wir haben aber wieder am Boden guten veg. Biriyani (= Gemüsereis) gegessen, also nichts mit Truthahn oder so, denn die Familie ist streng gläubig und somit gibt es kein Fleisch. Ihr Onkel hat eine dreijährige Tochter, sie hat die ganze Zeit versucht mit uns in Kanada zu reden, hat überhaupt nicht verstanden warum wir nur Englisch antworten, war ziemlich lustig, ja geschlafen haben wir auch wieder am Boden auf Matten. Die Gastfreundschaft war aber bei beiden Familien super, denn wir haben einfach dazu gehört und waren sofort integriert, ein schönes Erlebnis.
Am nächsten Tag sind wir fast den ganzen Tag 6 Stunden mit dem Zug zurück gefahren, war zwar etwas mühsam unter Tags, aber dafür habe ich viel Landschaft gesehen, aber grundsätzlich ist in Indien in der Nacht reisen besser, vergeht die Zeit schneller, nur zur Info die Zugfahrt hat 2 Eur gekostet.
Ja das waren heuer meine Weihnachten, ganz weit weg, ohne jegliche Traditionen, nur englisch sprechend, bei 30 Grad, an einem der friedvollsten Plätze die ich je kennen gelernt habe, und mit vielen Indern die keine Idee von Weihnachten haben.

Mittwoch, 19. Dezember 2007

Geschichten aus dem Alltag Teil 1

Auf Grund meines Business-Visums muss ich mich binnen zwei Wochen registrieren lassen. Aus diesem Grund bin ich heute mit einem Assistenten aus dem “Internationalen Office“ zur zentralen Polizeistation in Vellore gefahren.
Für den Antrag haben wir 4 Kopien vom Reisepass, 4 Fotos, drei ausgefüllten Formularen, natürlich auch jeweils in vierfacher Ausfertigung und ein offizielles Schreiben der UNI, eh klar viermal, mitgenommen.
Das Büro befindet sich im zweiten Stock und besteht aus einem Vorzimmer, ca. 5 m2 mit 8 Sesseln und einem Vorzimmerherrn, der in der Zeit, in der ich warten musste, damit beschäftigt war, Akte anzuschauen, wörtlich gemeint, sie dann zu durchlöchern, mit einem Faden zusammenzubinden und dann in einen Kartonumschlag zu geben und diesen wiederum mit einem Garn zusammenzubinden, alles natürlich im indischen Tempo. Neben seinem Schreibtisch lagen schon etliche davon am Boden, sodass wirklich nur sein Platz um den Schreibtisch frei war, ich möchte ja gar nicht wissen wie es im Archiv, soweit es so was überhaupt gibt, ausschaut. Im zuständigem Büro selber, es ist auch nicht viel größer als der Vorraum, sitzt eine Dame, hat zwar einen Schreibtisch, verwendet aber eine Kartonunterlage, die sie auf ihren Schoss und den Schreibtisch auflegt, um darauf zu arbeiten, liegen auch wieder, auf allen freien Flächen, auf denen man also nicht gehen muss oder auf denen kein Sessel steht, zu Bergen aufeinander geschlichtete Akten, die meisten liegen sicher schon etwas länger dort, auf Grund der schon vorhandenen Staubschicht. Im Raum befinden sich noch Kästen, natürlich voll gefüllt und was auf darauf liegt könnt ihr euch wohl denken, ihr müsst euch noch vorstellen, dass der Raum und die Fenster sicherlich in den letzten drei Jahren nicht mehr gereinigt wurden, aus den Fenstern raus schauen, war nicht mehr möglich.
Ich musste mich mal hinsetzen, ist übrigens überall so, sobald man einen Raum betritt, auch wenn es nur für 1 Minute ist, wird man sofort aufgefordert, dass man sich hinsetzen soll. Ich muss wie gesagt warten und dann, obwohl wer anderer in ihrem Büro war, durfte ich bzw. der Assistent ihr meine Unterlagen zeigen und wurden dann, wie ich im nächsten Zimmer erkannte, zu einen Offizier geschickt.
Das Büro war komplett leer, nur ein Schreibtisch davor zwei Sessel und seiner.
Der Offizier war damit beschäftigt ein Buch zu lesen, schaute nicht einmal auf, sondern deutet nur mit der Hand, wir sollen warten, wir sind aber trotzdem bis zu seinem Schreibtisch vorgegangen, darum konnte ich auch erkennen, dass er einen Roman und kein dienstliches Buch las und scheinbar nicht unterbrochen werden wollte und nur in Ruhe seine Seite fertig lesen wollte, genau so war es dann auch. Als er fertig war, schaute er sich den Antrag nicht einmal, ganz zu schweigen darüber, dass er einmal den Kopf in die Höhe gehoben hätte, um zu schauen, wer denn überhaupt in seinem Büro war, machte seinen Vermerk drauf und widmete sich wieder seinem Buch, ohne ein Wort von sich zu geben.
Wir sind danach wieder brav zu der Dame zurück gegangen, die sich, obwohl alles schön sortiert war noch einmal alles zeigen und erklären lies, bis sie dann, mit ihren obligatorischen Kopfwackeln, zustimmte. Das Kopfwackeln ist eine typische indische Gestikulierung, es macht jeder, wenn er etwas bejahen oder zustimmen will, man bewegt den Kopf, aber wirklich nur den Kopf, leicht von links nach rechts - hin und her und erspart sich somit die Worte, schaut urlieb aus, ich kann es schon ein bisschen J
Ich bin mir heute vorgekommen, wie in so einem uralten Film und habe mir nur gedacht, oarg, diese Elite Universität auf der einen und dann auf der anderen Seite diese Bürokratische Stelle, die wie im letzten Jahrhundert organisiert ist, einen Computer habe ich in dem ganzen Gebäude nicht gesehen. Ja hier hätten wir es wieder: Indien ist anders.Ich werde euch wissen lassen, wie lange es gedauert hat, bis ich die Registrierung erhalten habe.

Sonntag, 9. Dezember 2007

Geschichten aus dem Alltag: Kinobesuch

Dieses Wochenende war die Besichtigung des Ortes Vellore an der Reihe, es gibt nämlich ein riesiges Fort und ein Kinobesuch.
Das Fort war wirklich schön, riesig und man kann überall hingehen, denn Absperrungen kennen sie auch hier nicht und gleich hinter der Anlage gibt es einen wunderschönen Tempel. Der Hindi-Tempel war auch diesmal für uns nichtgläubigen offen und wir konnten wirklich überall hingehen, war auch mal schön, die ganzen Hindi Bräuche zu beobachten bzw. mitzumachen. Es immer wieder sehr erheiternd, wenn man vor dem Besuch gebeten wird die Schuhe auszuziehen, damit man nichts verunreinigt, denn die wären noch das Sauberste bei den Tempeln, vor allem wo es hier im Süden wirklich viele Inder gibt die keine Schuhe anhaben, ist auch hier am Campus nichts verwerfliches, aber egal, bevor man die heilige Stätte betritt gehören sie ausgezogen. Das aber wirklich lustigste finde ich wieder einmal, dass ich auf ca. 100 Fotos oben bin, denn alle jungen Burschen wollten sich gemeinsam mit mir fotografieren lassen, ja ja bis zum Ende des Jahres werde ich in Hunderten Fotoalben kleben .... wahrscheinlich wissen sie schon jetzt, dass ich nächstes Jahr der große Bollywood Star bin .-)
Der Kinobesuch war auch der Hammer, denn erstens wollte uns der Rikschafahrer gar nicht hinbringe, denn warum wollen weiße Mädchen ins Kino, in dem es nur Hindi Filme spielt und sie somit nichts verstehen können, dass hat er überhaupt nicht verstanden, er hat ca. 10 Mal nachgefragt, ob wir uns sicher sind ins Kino zu wollen. Das Kino ist bitte mit Ventilatoren ausgestattet und hat ganz einfache Holzklappsesseln, die Reihen gehen hinten in die Höhe und die Leinwand war auch schön groß, eine tolle Soundanlage darf man sich halt nicht erwarten, war aber auch egal. Wir haben uns den neuesten Bollywood Film angeschaut und alle, die solche Filme kennen, wissen, dass es vollkommen egal ist, ob man etwas versteht oder nicht, man bekommt nämlich trotzdem alles mit und weiß schon noch nach ersten 10 Min was passieren wird. Das aber wirklich lustige an dem Kinobesuch waren aber die Inder, denn die reden mit dem Film, so als ob sie die Handlung verändern könnten und sie klatschen, wenn ihnen etwas speziell gut gefallen hat, ich habe mich zerkugelt im Kino.